Stand: 17.02.2017 21:07 Uhr

Korruption? Staatsanwaltschaft ermittelt bei EWE

Wegen der mutmaßlichen Vorteilsannahme beim Energieversorger EWE will jetzt auch die Staatsanwaltschaft Oldenburg ermitteln. Die Behörde werde Anfang nächster Woche wegen des Anfangsverdachts der Korruption ein Verfahren gegen Unbekannt einleiten, sagte eine Sprecherin am Freitag. Anschließend werde das Verfahren an die Staatsanwaltschaft Osnabrück weitergeleitet, die als Zentralstelle für solche Fälle zuständig ist. Die Konzernrevision der EWE prüft intern zusammen mit einer Wirtschaftsprüfungsgesellschaft Vorwürfe, wonach Aufträge an Partnerfirmen von mehreren Managern des Tochterunternehmens EWE Netz nur für Gegenleistungen vergeben wurden. So sollen zum Beispiel Fernreisen finanziert oder die Kosten für eine Hochzeitsfeier übernommen worden sein. Laut dem "Handelsblatt" habe eine Zeugin von Thailand-Urlauben und Essenseinladungen berichtet.

EWE bestätigt "Hinweise auf angebliche Unregelmäßigkeiten"

Mindestens fünf Firmen sollen nach Informationen von NDR 1 Niedersachsen eine entsprechende Liste erstellt und die EWE damit konfrontiert haben. Das Unternehmen bestätigte auf Nachfrage, dass es "Hinweise auf angebliche weitere Unregelmäßigkeiten im Zusammenhang mit anderen Partnerunternehmen von EWE Netz" gegeben habe. Die Zusammenarbeit mit einem Tiefbauunternehmen sei bereits im Oktober 2016 eingestellt worden. "Das sind schwerwiegende Vorwürfe", sagte der EWE-Aufsichtsratschef Stephan-Andreas Kaulvers der Deutschen Presse-Agentur (dpa). "Wir sind verpflichtet, die Dinge sauber aufzuklären. Das werden wir tun." Oldenburgs Oberbürgermeister Jürgen Krogmann (SPD) sagte, er sei wütend und enttäuscht darüber, dass er als Mitglied des Aufsichtsrates ständig über Dritte von neuen Skandalen innerhalb der EWE erfahren müsse.

Zukunft des EWE-Chefs entscheidet sich am Mittwoch

Die Korruptionsvorwürfe kommen gerade einmal zwei Wochen nach dem Bekanntwerden der Spendenaffäre von Vorstandschef Matthias Brückmann. Gegen den EWE-Chef ermittelt die Staatsanwaltschaft Oldenburg bereits wegen des Verdachts der Untreue. Gegenstand der Ermittlungen ist die Spende des Energieversorgers an die Klitschko-Stiftung in Höhe von 253.000 Euro, die Brückmann eigenmächtig veranlasst hatte. Der Aufsichtsrat entscheidet am kommenden Mittwoch über die Abberufung Brückmanns. Er hätte sich laut Konzern die Zustimmung des Finanz- und Prüfungsausschusses des Aufsichtsrates dafür einholen müssen. Es wird erwartet, dass das Gremium der Forderung des Aufsichtsrats-Präsidium anschließt. Das hat bereits die Abberufung Brückmanns gefordert. Bis dahin lässt dieser sein Amt ruhen.

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Hallo Niedersachsen | 17.02.2017 | 19:30 Uhr

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