Stand: 01.09.2015 15:45 Uhr

Kein Prozess gegen Staatsanwalt im Fall Niels H.

Bild vergrößern
Laut Staatsanwaltschaft Osnabrück hätte die Mordserie durch Niels H. früher aufgedeckt werden können. (Archivbild)

Die Staatsanwaltschaft Osnabrück ist mit ihrer Anklage gegen einen früheren Oldenburger Oberstaatsanwalt, der im Fall Niels H. ermittelt hatte, gescheitert. Die Behörde hatte dem Juristen vorgeworfen, die Ermittlungen gegen den inzwischen wegen mehrfachen Mordes verurteilten Krankenpfleger verschleppt zu haben. Konkret lautete der Verdacht auf Strafvereitelung im Amt und Rechtsbeugung. Doch nun hat das Oldenburger Landgericht entschieden, die Anklage nicht zuzulassen. Einen Prozess wird es demnach nicht geben. Für die Angehörigen der Opfer von Niels H. ist das nicht nachvollziehbar.

Unverständnis, weil Behörde bereits Fehler eingeräumt hat

Dass ausgerechnet das Landgericht Oldenburg die Anklage gegen einen eigenen Mitarbeiter geprüft hat, "stinke bis zum Himmel", sagte Nebenkläger Christian Marbach gegenüber NDR 1 Niedersachsen. Auch Nebenklage-Anwältin Gaby Lübben hält die Entscheidung des Landgerichts für "menschlich nicht nachvollziehbar". Die rechtliche Seite könne sie noch nicht beurteilen, da sie bislang keine Akteneinsicht erhalten habe. Bei ihren Klienten sei die Nachricht auf völliges Unverständnis gestoßen, "da selbst die Staatsanwaltschaft sich in einer Pressekonferenz öffentlich für Versäumnisse entschuldigt hat".

Staatsanwaltschaft: "Da hat es Pannen gegeben"

Auf besagter Pressekonferenz im Februar hatte der stellvertretende Oberstaatsanwalt Thomas Sander gesagt: "Da hat es Pannen gegeben, da hat es Verzögerungen gegeben, die nicht hätten passieren dürfen." Angehörige seien möglicherweise jahrelang hingehalten worden, weil nicht mit der gebotenen Zügigkeit ermittelt worden sei. "Dafür möchte ich mich im Namen der Staatsanwaltschaft Oldenburg auch entschuldigen", so Sander damals. Der Fall Niels H. müsse deshalb lückenlos aufgeklärt werden.

Beschwerde gegen Beschluss möglich, aber unwahrscheinlich

Daraus wird nun offenbar nichts. Das Landgericht Oldenburg konnte keine Rechtsbeugung und Strafvereitelung im Amt feststellen. Gegen den Beschluss kann die Staatsanwaltschaft Osnabrück Beschwerde einlegen. Allerdings ist unklar, ob sie das auch tun wird. Prozessbeobachter gehen nicht davon aus.

Weitere Informationen

Fall Niels H.: Zehn weitere mögliche Opfer entdeckt

Die von der Oldenburger Staatsanwaltschaft angeordneten Exhumierungen im Fall Niels H. bringen Neues ans Tageslicht: Der Krankenpfleger könnte für zehn weitere Opfer verantwortlich sein. (15.07.2015) mehr

Chronik: Die "Karriere" eines Serienmörders

Der ehemalige Krankenpfleger Niels H. ist unter anderem wegen zweifachen Mordes zu lebenslanger Freiheitsstrafe verurteilt worden. Weitere 30 Morde hat er gestanden. Eine Chronologie. mehr

Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Niedersachsen | Aktuell | 01.09.2015 | 17:00 Uhr