Stand: 14.06.2017 17:34 Uhr

Für besondere Bedürfnisse: "Toilette für alle"

Es gibt Menschen, die brauchen mehr als einen Haltegriff und einen Alarmknopf. Für viele körperlich Behinderte sind deshalb öffentliche Toiletten, auch diejenigen für Rollstuhlfahrer, nicht ausreichend. Das wiederum erschwert zum Beispiel einen Stadtbummel erheblich und sorgt dafür, dass der Alltag der Betroffenen präzise geplant werden muss. In ganz Norddeutschland gibt es keine speziell für die Zielgruppe der schwer körperlich Behinderten ausgestattete Toilette - jedenfalls bislang nicht. Denn an diesem Mittwoch wurde die erste "Toilette für alle" eröffnet, und zwar im Oldenburger "Schlauen Haus", in den Räumen der Touristen-Info.

Die Oldenburger "Toilette für alle" ist eröffnet

Wichtiges Hilfsmittel: die Liege

Per Knopfdruck fährt in der neuen Toilette eine Liege herunter. Außerdem gibt es eine Vorrichtung, mit der eine Person vom Rollstuhl auf die Toilette gehoben werden kann. Für Peter Dresen sind diese Elemente eine enorme Hilfe. Er hat "Spina bifida", eine teilweise Querschnittslähmung, sitzt im Rollstuhl und ist auf Pflege angewiesen. Wenn er in die Stadt will, muss er bislang planen, ob und wo er auf die Toilette gehen kann. "Für mich ist es wichtig, dass es einen Lifter und eine Liege gibt. Dann muss man nicht auf dem Boden gewickelt werden." Schließlich seien öffentliche Toiletten nicht die hygienischsten Räume. Er selbst sei federleicht, fügt Dresen hinzu: "Aber wenn einer 150 Kilo wiegt, muss der auch aufs Klo gehievt werden können."

Videos
03:58

Reisen für Menschen mit Behinderung

17.12.2016 18:00 Uhr
Nordtour

Der Reiseveranstalter Sternreisen bietet individuell abgestimmte Reisen für Menschen mit Behinderung an. Wir haben eine Gruppe auf den Hamburger Kiez begleitet. Video (03:58 min)

Landesbeauftragte lobt Initiative

Die Landesbeauftragte für Menschen mit Behinderung, Petra Wontorra, lobt die Oldenburger Initiative. Natürlich sei eine einzige solche Toilette in Norddeutschland viel zu wenig: "Viele schwer behinderte Menschen können kaum in die Öffentlichkeit, weil es solche Toiletten bislang nicht gibt", sagte sie NDR 1 Niedersachsen. "Wichtig finde ich aber erst einmal, dass in den Köpfen ankommt: Es gibt Menschen, für die eine Rollstuhl-Toilette nicht ausreicht."

11.500 Euro für die norddeutsche Premiere

Der Umbau einer klassischen Rollstuhl-Toilette zur "Toilette für alle" hat 11.500 Euro gekostet, finanziert wurde das von der Stadt. Zugänglich ist die Toilette während der Öffnungszeiten der Tourist-Info am Schloßplatz und bei Veranstaltungen des "Schlauen Hauses". Das sei noch nicht genug, sagt Oldenburgs Sozialdezernentin Dagmar Sachse: "Aber ein Anfang ist gemacht." Und weitere solcher Toiletten sollen folgen.

Weitere Informationen

Kluft bei Betreuungskosten behinderter Kinder

Wie viel Geld die Betreuung behinderter Kinder kostet, ist in Norddeutschland vom Wohnort abhängig. Teilweise gibt es Unterschiede in Höhe von mehreren Hundert Euro. (10.05.2017) mehr

Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Niedersachsen | Regional Oldenburg | 14.06.2017 | 17:00 Uhr

Mehr Nachrichten aus Niedersachsen

01:29

Debatte über Polizeieinsatz beim AfD-Parteitag

15.12.2017 14:00 Uhr
NDR//Aktuell
02:31

Flutlicht-Skifahren im Harz

15.12.2017 19:30 Uhr
Hallo Niedersachsen