Stand: 22.09.2017 07:27 Uhr

Vorzeigeprojekt, Verlustbringer - und nun?

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Sehr groß, immer noch zu leer: Der JadeWeserPort hinkt seinen Möglichkeiten hinterher.

Das gibt's nur im JadeWeserPort: Frachter mit einem Tiefgang bis zu 16,5 Metern können unabhängig von den Gezeiten anlegen; die 1.725 Meter lange Kaje mit Umschlagbrücken in Rekordgröße bietet Platz für bis zu vier Schiffsriesen mit maximal je 18.000 Containern; dicke Pötte brauchen keine Berührungsängste zu haben wie auf der Elbe bei ihrem Weg nach Hamburg. Und so wurde Deutschlands einziger Tiefwasserhafen bei seiner Eröffnung 2012 als Jahrhundertbauwerk gefeiert. Doch der JadeWeserPort in Wilhelmshaven kann heute - fünf Jahre nach seiner Eröffnung am 21. September 2012 - keinen durchschlagenden wirtschaftlichen Erfolg vorweisen. Immerhin: Der Trend macht Hoffnung. Es gibt kleine Fortschritte, die Stabilität und Wachstum bringen sollen.

Eine Wunderkerze, die eine fünf darstellt.

Fünf Jahre JadeWeserPort: Ein Grund zu feiern

Hallo Niedersachsen -

Nach seiner Eröffnung vor fünf Jahren waren die Umschlagzahlen des JadeWeserPorts in Wilhelmshaven desaströs. Inzwischen sieht es aber etwas besser aus.

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Drei Prozent Auslastung im ersten Jahr

Die ersten Jahre waren deprimierend. Der Container Terminal ist für einen Jahresumschlag von 2,7 Millionen Standardcontainern (TEU) ausgelegt. In Jahr eins nach Eröffnung wurden aber nur rund 76.000 TEU umgeschlagen, also gerade mal knapp drei Prozent dessen, was möglich sein könnte. Und für 2016 verbucht das europaweit tätige Umschlagsunternehmen Eurogate einen Verlust von 20 Millionen Euro, vorübergehend gab es sogar Kurzarbeit. Immerhin kletterte der Umschlag auf rund 482.000 TEU. Im ersten Halbjahr 2017 dann wieder ein Dämpfer: 232.200 TEU wurden erreicht, rund neun Prozent weniger als im Vorjahreszeitraum.

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Zwischenzeitlich wurden die riesigen, leer stehenden Flächen des Hafens auch schon mal genutzt, um gestrandete Pottwale zu zerlegen.
Eine Wand für die Rohrdommel

Angefangen hat alles mit einer Idee einiger Wilhelmshavener Unternehmer: Könnte man nicht, so die Überlegung im Jahr 1993, den Schlick der Wattflächen am Jadebusen, der die Schifffahrt stört und deswegen immer wieder ausgebaggert und in der Nordsee verklappt wird, zum Bau eines Hafens nutzen? Gedacht, gesagt, fast 15 Jahre später getan. Der erste Spatenstich folgte 2008. Die Zeit zwischen Idee und Eröffnung: Eine Zeit von Pleiten, Pech und Pannen. So hatte die Auftragsvergabe ein langes juristisches Nachspiel. Bauschäden an der Kaje und teure Reparaturarbeiten verzögerten die Eröffnung. Und Naturschützer entdeckten am Hafengelände die seltenen Rohrdommeln. Für die bedrohte Vogelart wurde eine teure Lärmschutzwand gebaut.

"Das waren Horrorzeiten"

Die schlimmen Jahre seien vorbei, sagt Niedersachsens Wirtschaftsminister Olaf Lies (SPD) mit Blick auf 2013/2014: "Das waren Horrorzeiten." Doch der jetzige Trend dürfte Mut machen: Zwei Reederei-Großallianzen, "2M" und "Ocean Alliance", laufen den Hafen regelmäßig an. Für Eurogate-Geschäftsführer Mikkel Andersen ein Durchbruch, denn nun sind insgesamt acht Reedereien am Standort. 2018 soll beim Knacken der Umschlagmarke von einer Millionen TEU die Planung für eine zweite Ausbaustufe beginnen, kündigt Minister Lies an. Eine Autobahn führt direkt zum Hafen, durch den rund 20 regelmäßige Bahnverkehre rollen. Und in den kommenden zwei Jahren will Eurogate-Geschäftsführer Andersen die Belegschaft um etwa 200 auf bis zu 600 erhöhen: "Man muss klug wachsen, wir sind zufrieden mit vielen kleinen Fortschritten."

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Hallo Niedersachsen | 21.09.2017 | 19:30 Uhr