Stand: 10.12.2015 19:03 Uhr

Friesenbrücke: Ems ist für Seeschiffe wieder frei

Eine Woche nachdem die "Emsmoon" in die geschlossene Friesenbrücke geprallt ist und diese dabei komplett zerstört hatte, hat das Wasser- und Schifffahrtsamt (WSA) Emden die Ems am Donnerstag wieder freigegeben. Seit den Abendstunden dürfen nun auch große Seeschiffe die Brücke wieder passieren. Die Lichtzeichen stehen dauerhaft auf grün. Ein Bagger hatte am Donnerstag zunächst die normale Wassertiefe der Ems wieder hergestellt. Denn der Fluss muss eine bestimmte Solltiefe haben. Beim Absturz der Brückenteile war so viel Sand aufgewirbelt worden, dass die Fahrrinne verstopft war. In den vergangenen Tagen konnten daher nur flache Binnenschiffe die Friesenbrücke passieren.

Was passiert mit der Friesenbrücke?

Bei dem Zusammenprall Anfang Dezember war das Mittelteil der Eisenbahn-Klappbrücke stark beschädigt worden, Teile des historischen Bauwerks rissen ab. Die gesamte Konstruktion wurde durch die Kollision um einige Meter verschoben. Die Deutsche Bahn will nun ein Gutachten über den Zustand der Brücke einholen. Danach soll ein Neubau geplant werden. Wie die neue Brücke aussehen soll und ob sie möglicherweise eine Straße für Autos erhält, werde sich in den kommenden Wochen herausstellen, so eine Bahnsprecherin.

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Bis eine neue Brücke die Ems bei Weener quert, werden noch Jahre vergehen. Für den Schiffsverkehr soll der Fluss bald wieder frei sein. Per Schwimmkran werden die Trümmer geborgen. Bildergalerie

Stand der Lotse am Steuer?

Unterdessen hat die Staatsanwaltschaft Aurich die Ermittlungen übernommen. Geprüft werde vor allem, wer zum Unfallzeitpunkt der verantwortliche Schiffsführer war, sagte Karsten Wolff von der Zentralen Polizeidirektion Niedersachsen. Noch sei nicht geklärt, ob der 53 Jahre alte russische Kapitän oder der 57 Jahre alte deutsche Lotse die "Emsmoon" zum Unfallzeitpunkt gesteuert hat. Es gebe aber Hinweise, dass der Lotse am Steuerrad gestanden habe. Sowohl der Kapitän als auch der Lotse hätten sich bisher nicht zur Sache äußern wollen, sagte Wolff. Den Männern werde Gefährdung des Schiffverkehrs sowie gefährlicher Eingriff in den Bahnverkehr vorgeworfen.

Kapitän und Lotsen könnte Haftstrafe drohen

Der Kapitän musste eine Sicherheitsleistung zahlen, damit er auf freiem Fuß bleiben kann. Das hatte am Mittwoch das Amtsgericht Aurich entschieden. Im Fall einer Verurteilung drohten ihm und dem Lotsen eine Geldstrafe oder bis zu zwei Jahre Haft, sagte die Auricher Oberstaatsanwältin Katja Paulke.

Voyage-Data-Rekorder muss ausgewertet werden

Entgegen ersten Informationen kann die Polizei auch einen technischen Defekt noch nicht vollkommen ausschließen. Näheren Aufschluss erwarten die Ermittler von der Untersuchung des sogenannten Voyage-Data-Rekorders des Frachters. Die Auswertung des Geräts, das wie ein Flugschreiber funktioniert, wird nach Angaben von Wolff noch einige Tage dauern. Auch die Aufzeichnungen der Verkehrszentrale müssten noch untersucht werden, so der Polizeisprecher. Bisher sei die "Emsmoon" lediglich auf ihre allgemeine Seetauglichkeit überprüft worden. Das Schiff wurde von den Behörden bereits wieder freigegeben.

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Das Schiff, das am Donnerstag die Friesenbrücke bei Weener rammte und in zwei Teile riss, hatte laut Polizei keine technischen Mängel. Menschliches Versagen sei nicht auszuschließen. (06.12.2015) mehr

Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Niedersachsen | Regional Oldenburg | 10.12.2015 | 18:00 Uhr