Stand: 01.12.2016 14:08 Uhr

Friesenbrücke: Kommt doch ein Neubau?

Am 3. Dezember ist es genau ein Jahr her, dass die Friesenbrücke bei Weener im Landkreis Leer zerstört wurde. Seit einem Jahr können keine Züge mehr über die Brücke fahren. Seit einem Jahr müssen Anwohner weite Umwege in Kauf nehmen. Die Bahn plant eine Reparatur. In den kommenden Tagen sollten dazu weitere Gespräche in Berlin und Leer stattfinden. Doch diese sind nun erst einmal abgesagt worden. Denn die Bahn und die Meyer Werft prüfen nach Angaben des Landkreises Leer derzeit noch eine Alternative: einen Neubau. Im Januar soll es dazu Ergebnisse geben. Bürger beiderseits der Ems wollen unterdessen für eine schnelle Reparatur demonstrieren.

Meyer Werft bringt Alternative ins Gespräch

Nach vielen Monaten Planung hatte Bahnchef Grube Anfang November erklärt, dass die Brücke vielleicht sogar schon Anfang 2020 wieder befahrbar sein könnte, spätestens aber 2021. Das Land Niedersachsen sagte zu, in Vorleistung zu gehen und der Bahn die notwendigen 30 Millionen Euro zu leihen. Der Wiederaufbau könne somit "schon morgen" starten, sagte Grube damals. Dann aber brachte Meyer Werft-Chef Bernhard Meyer eine Alternative ins Gespräch. Denn für die Überführung der Kreuzfahrtriesen ist die Friesenbrücke immer wieder ein Nadelöhr.

Kein Neubau, sondern eine "andere Reparatur"

Die Meyer Werft selbst nennt den Alternativvorschlag jedoch nicht Neubau, sondern spricht von einer "anderen Reparatur". Unternehmenssprecher Günther Kolbe sagte NDR 1 Niedersachsen: "Wir wollen die Brücke nicht so repariert haben, wie sie war". Sie solle vielmehr "zukunftsfähig für die Meyer Werft" gestaltet sein. Der Werft schwebt eine Brücke nach dem Vorbild der Jann-Berghaus-Brücke in Leer vor - mit einer breiten Klappöffnung für die Schiffe. Bislang musste zur Öffnung der Friesenbrücke immer ein Schwimmkran anrücken und das Mittelteil aushängen. Dafür wurden Brücke und Ems immer tagelang gesperrt.

Demonstration für schnelle Wieder-Verbindung

Anwohner befürchten jedoch, dass ein solcher Wiederaufbau gemäß dem Meyer-Wunsch doppelt so lange, nämlich rund zehn Jahre, dauern würde. Auf beiden Seiten der Ems, in Weener und in Coldemüntje, wollen sie daher am Sonnabend demonstrieren. Um Punkt 18.03 Uhr, der Minute des Unglücks vor einem Jahr, sollen ihre Fackeln erlöschen - als Zeichen dafür, dass vor einem Jahr die Lichter der jahrzehntelangen Verbindung der beiden Gemeinden ausgegangen sind. Sie fordern zudem mindestens eine Fähre über die Ems als Ersatz für die Brücke. Dafür gibt es bislang aber keine Finanzierung.

Planung für Wiederaufbau geht weiter

Nach Angaben der Meyer Werft würden die Arbeiten für eine Brücke mit Klappöffnung auch nur fünf Jahre dauern und "keinen Cent mehr" als die für eine Reparatur veranschlagten 30 Millionen Euro kosten. Die Pläne will sich die Bahn nun in Ruhe anschauen. Um keine Zeit zu verlieren, gingen aber die eigenen Planungen für den Wiederaufbau wie vorgesehen zeitgleich weiter, so ein Bahnsprecher gegenüber NDR 1 Niedersachsen. "Wir wünschen uns, dass wir im Januar Klarheit haben", sagte der Bürgermeister der Stadt Weener, Ludwig Sonnenberg (parteilos) im Gespräch mit NDR.de. Eine abschließende Meinung über die nun vorgeschlagene Modernisierung hätten er und die Fraktionen noch nicht, da es noch kein konkretes Modell gebe. Grundsätzlich sei die Meyer Werft wichtig für die Stadt und die Region. Allerdings müsse auch das Zeitfenster berücksichtigt werden - also die Frage, wie lange es dauert, bis die Friesenbrücke wieder genutzt werden kann.

Weitere Informationen

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Niedersachsen | Regional Oldenburg | 01.12.2016 | 17:00 Uhr

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