Stand: 28.01.2016 19:45 Uhr

Enercon: Wurden Gewerkschafter strafversetzt?

Das Arbeitsgericht Emden hat am Donnerstag erneut über die Klage von Gewerkschaftern gegen das Gusszentrum Ostfriesland (GZO), einer Tochter des Windkraftanlagenherstellers Enercon, verhandelt. Die fünf Mitarbeiter wurden versetzt - in ihren Augen aber sei das eine Zwangsversetzung wegen ihres Engagements in der IG Metall und ihre Kandidatur für den Betriebsrat. Nun scheint ein Vergleich möglich.

Betriebsvereinbarung wird ausgehandelt

Betriebsrat und Arbeitsgeber sollen in den kommenden Wochen eine Betriebsvereinbarung aushandeln, wonach die Verteilung der Arbeit neu geregelt werden soll. Außerdem sollen die klagenden Arbeitnehmer von ihrer augenblicklichen Tätigkeit abgezogen werden. Darauf einigten sich die Streitparteien. Eine endgültige Entscheidung, wie in dem arbeitsrechtlichen Verfahren entschieden werden soll, will das Gericht am 4. April verkünden.

"Klima der Einschüchterung" oder "super Zusammenarbeit"?

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Die fünf klagenden GZO-Mitarbeiter halten ihre Versetzung für eine Strafversetzung.

Im Sommer 2014 wurden die Männer zunächst von der Formerei in die Kokillenverarbeitung, später dann in die Brennschneiderei versetzt. "Es herrscht ein Klima der Einschüchterung", erklärte der Anwalt der Mitarbeiter, Daniel Weidmann. Die Arbeitgeberseite wies den Vorwurf der Einschüchterung zurück. In dem Betrieb herrsche eine "super Zusammenarbeit", sagte deren Anwältin Christiane Wandscher. Alle Arbeiten in dem Unternehmen seien gleichwertig. Die Versetzungen seien allein aus betrieblichen Gründen notwendig gewesen.

Protest vom dem Gebäude

Wegen des großen öffentlichen Interesses hatte das Gericht die Verhandlung in die Aula einer Schule in Emden verlegt. Vor der Verhandlung demonstrierten nach Angaben der IG Metall rund 500 Metaller vor dem Gebäude; einige vom VW-Werk Emden, andere von der Papenburger Meyer Werft. 200 GOZ-Mitarbeiter waren ebenfalls gekommen, gekleidet in gelbe Warnwesten. Sie hatten von ihrem Arbeitsgeber frei bekommen.

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Niedersachsen 18.00 Uhr | 28.01.2016 | 18:00 Uhr