Stand: 09.01.2016 13:37 Uhr

Ein besonders gutes Jahr für Seehund-Babys

Es ist ja schon manchmal traurig: Die Mitarbeiter der Seehundstation in Norden-Norddeich (Landkreis Aurich) wollen verwaiste Heuler für das Leben im Meer fit machen, füttern sie, pflegen sie - doch viele Tiere schaffen es einfach nicht. Durchschnittlich 30 Prozent seien zu krank oder zu ausgetrocknet, wenn sie gefunden werden, sagt Stationsleiter Peter Lienau. Umso erfreulicher ist die Bilanz der Station für das gerade abgelaufene Jahr: Nur rund zwölf Prozent der Jungtiere mussten eingeschläfert werden, 100 gesunde Seehunde haben die Tierpfleger im Wattenmeer ausgewildert. In Friedrichskoog im Kreis Dithmarschen (Schleswig-Holstein) wurden sogar 184 Seehunde erfolgreich aufgezogen und ausgewildert. Damit überlebten dort 90 Prozent der aufgenommenen Tiere.

Seehundbabys in den Aufzuchtstationen

Tierpfleger halten möglichst viel Abstand

In Norddeich leben derzeit 20 Seehunde in der Aufzuchtstation. Sie bleiben knapp zehn Wochen dort. Mit Ersatzmilch, die schön viel Fett enthält, werden die verlorenen Jungtiere erst einmal aufgepäppelt. Die Milch gibt es nicht etwa aus der Flasche: Sie wird per Magensonde verabreicht. "Wir haben so wenig Kontakt zu den Tieren wie möglich, damit sie sich nicht an Menschen gewöhnen", erklärt Lienau. Außerdem könnten die Heuler ziemlich fest zubeißen. Nach etwa zwei Wochen sind die Tiere bereit für die erste Fischmahlzeit - und dann schaffen sie bis zu 2,5 Kilogramm Hering pro Tag. Und die brauchen sie auch. Denn anfangs wiegen die Heuler nur acht oder neun Kilogramm. Bevor sie ausgewildert werden, müssen es mindestens 25 sein.

Die ersten kleinen Kegelrobben sind eingetroffen

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Kegelrobben werden - anders als Seehunde - im Winter geboren. (Archivbild)

Die verwaisten Seehunde sind übrigens nicht von ihren Müttern verlassen, sondern getrennt worden, wie Lienau erklärt. Bei Unwetter oder einem Sturm könne das geschehen - oder durch Touristen, die die Tiere stören. Zwischen Juni und August ist in der Station besonders viel zu tun, denn in dieser Zeit werden die Seehundbabys geboren. Aber auch für kleine Kegelrobben sind die Aufzuchtstationen zuständig, und Kegelrobben kommen im Winter zur Welt. In Friedrichskoog sind schon die ersten aufgenommen worden. In Norddeich war das noch nicht notwendig: Zwar wurden dort auch bereits vier einsame Robbenbabys gesichtet, doch in allen Fällen kam die Mutter wieder zurück. "Seehundmütter lassen ihre Jungen nicht lange alleine", sagt Lienau, bei Kegelrobben könne die Mutter aber noch bis zu 24 Stunden später zu ihrem Nachwuchs zurückkehren.

Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Niedersachsen | Aktuell | 09.01.2016 | 13:00 Uhr