Stand: 28.11.2014 20:55 Uhr

Gegen den "bösen" Wolf: Esel als Schafschützer?

von Silke Rudolph

So ein schreckliches Bild hatte Schäfermeister Tino Barth aus Rüssen (Landkreis Diepholz) noch nie gesehen: Bei einem Nachbarn hatte offenbar ein Wolf neun Schafe gerissen. Sieben Tiere waren tragend. "Das war das traurigste, was ich je erlebt habe", sagt Barth. Er muss erkennen, dass ein Zaun allein keinen Schutz mehr vor Wölfen bietet. Auch die Nähe von Wohnhäusern wirkt offenbar nicht abschreckend, denn der mutmaßliche Wolfsübergriff geschah nur rund 20 Meter vom Wohnhaus entfernt.

Esel machen Krach, wenn Wölfe kommen

Seitdem steht Barth jeden Morgen mit einem unguten Gefühl auf. Der gebürtige Sachse grübelt, wie er seine mehrfach preisgekrönten Zuchttiere schützen könnte. Dann die Idee: Ein Großesel soll helfen: "In meiner sächsischen Heimat werden Esel schon lange eingesetzt und auch in Frankreich, wo ich einige meiner Schafe herbekomme". Der Vorteil: Der Esel mache Krach, er könne beißen und treten. Viele Esel reagierten auf hundeartige Tiere außerordentlich aggressiv.

Muttertiere eignen sich am besten

Das sieht auch Uwe Martens so. Er ist Wolfsberater, Schafhalter und Mitglied im Freundeskreis freilebender Wölfe. "Die Eselhaltung oder auch die Haltung von Alpakas macht Sinn. Esel sind sehr aufmerksame Tiere." Selbst wenn sie dösen, würden sie einen Wolf mit hoher Wahrscheinlichkeit bemerken. Martens empfiehlt die Eselhaltung seit Jahren auch auf Seminaren: "Am besten sind Muttertiere, weil sich der Esel auch mit den Schafen sozialisieren muss."  Zu empfehlen seien sie vor allem in der Heide und auf anderen kargen Böden.

Esel könnten "Heldentod" sterben

Dass die Eselhaltung in Niedersachsen nur wenig verbreitet ist, erklärt Uwe Martens mit den Kosten und dem Aufwand, der nötig sei. Zudem könne im schlimmsten Fall ein Wolfspaar doch einen Esel angreifen, und dieses sterbe dann einen "Heldentod". Seiner Ansicht nach können sich viele Schafhalter außerdem gar keinen Esel leisten. Es sei insgesamt zu aufwendig, weil Schafe als Nutztiere insgesamt einen geringen Wert hätten.

Angst, die Schafe zu verlieren

Schäfermeister Tino Barth hat auch schon weitere Schutzmaßnahmen eingeleitet: "Ich habe die Spannung auf den Elektrozäunen erhöht und werde mir wohl höhere Zäune anschaffen. Außerdem schaue ich dreimal am Tag, ob bei den Tieren alles in Ordnung ist. Wir Schäfer haben Angst, unsere Tiere zu verlieren." Die Esel könnten für zusätzliche Sicherheit sorgen. Barth will sich nun umhören und auch in Frankreich nachfragen. "Man kann nicht jeden x-beliebigen nehmen. Ich suche einen älteren Esel, der Schafe auch schon gewöhnt ist und die Herde verteidigt." Bis dahin bringt er seine Schafe lieber in den Ställen unter. Das ist sicherer.

 

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