Stand: 08.09.2017 21:45 Uhr

EWE: Keine Korruption - aber große Mängel

Die gute Nachricht: Korruption hat es bei EWE offenbar nicht gegeben. "Wir konnten kein Fehlverhalten feststellen", sagte Bernhard Bramlage, Aufsichtsratsvorsitzender des Energieunternehmens aus Oldenburg. Die externe Gesellschaft KPMG war zuvor vom Aufsichtsrat mit der Prüfung der Bestechungsvorwürfe beauftragt worden. Die Prüfer haben allerdings andere Schwachstellen bei EWE entdeckt - vornehmlich im Bereich der Überwachung und Überprüfung der Geschäftsvorgänge. Seit Januar hat KPMG untersucht, ob es bei EWE Netz Unregelmäßigkeiten gegeben hat. Am Freitag wurde dem Aufsichtsrat der Untersuchungsbericht vorgelegt.

Alles soll besser werden

In diesem Bericht steht, dass die steuerliche und sozialversicherungsrechtliche Behandlung von Arbeitszeitzuschlägen und Telefonkostenzuschüssen bei der EWE Netz offenbar nicht sachgerecht erfolgt. Das Problem habe seinen Ursprung allerdings nicht bei der EWE Netz, sondern in der EWE AG, sagte Bramlage. Auf Basis des Prüfungsergebnisses will der Aufsichtsrat nun die internen Abläufe verbessern und Fehler in der Zukunft möglichst ausschließen, teilte das Unternehmen mit.

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"Versäumnisse" bei Vorstandskandidaten?

Die EWE hat einige Turbulenzen hinter sich - gerade in jüngster Zeit. Im Februar entließ der Aufsichtsrat Vorstandschef Matthias Brückmann wegen einer Vielzahl grober Verfehlungen. Insgesamt drei von fünf Vorstandsmandaten sind derzeit vakant. Und die Suche nach Nachfolgern lief nicht problemlos, denn noch im April attestierten die Wirtschaftsprüfer von KPMG zwei der Kandidaten, Timo Poppe und Torsten Maus, "Versäumnisse". Doch die Vorwürfe scheinen nun vom Tisch.

"Keine Pflichtverletzungen festgestellt"

Maus ist Geschäftsführer der EWE Netz, Poppe mittlerweile Vorstand der Bremer EWE-Tochter swb. Laut KPMG-Zwischenbericht sollen beide ihre Aufsichtspflicht verletzt haben. Am Freitag sagte Bramlage dazu: "Präsidium und Aufsichtsrat haben keine Pflichtverletzungen bei Timo Poppe festgestellt. Bei Torsten Maus aus formalrechtlichen Gründen in geringem Umfang, die aber seiner Entlastung nicht entgegenstehen." Der Aufsichtsrat sei zu dem Schluss gekommen, dass einer weiteren vertrauensvollen Zusammenarbeit mit beiden nichts im Wege stehe.

Suche nach Kandidaten für Vorstand geht weiter

In den nächsten Aufsichtsratssitzungen soll es nun darum gehen, die fraglichen drei Positionen im Vorstand zu besetzen. "Die Suche nach geeigneten Kandidaten geht voran. Wir sind zuversichtlich, dass bei diesem wichtigen Thema noch in diesem Jahr die wesentlichen Weichenstellungen erfolgen", sagte Bramlage.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Niedersachsen | Regional Oldenburg | 08.09.2017 | 17:00 Uhr

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