Stand: 15.03.2016 12:27 Uhr

Die schlauen Schweine von Schwanewede

von Oliver Gressieker

Wer den Hof von Melanie Reinecke in Schwanewede betritt, bekommt eine wahre Rarität zu sehen. Im kleinen Außengehege des Schweinestalls tummeln sich nicht etwa "Tick", "Trick" und "Track", sondern "Rot", "Grün" und "Blau" - drei Ferkel der seltenen Kunekune-Rasse. Weltweit gibt es von dieser aus Neuseeland stammenden Schweine-Art gerade einmal 900 Exemplare, in Deutschland leben sogar nur rund 90. "Die Haltung ist unprofitabel, weil die Tiere im Gegensatz zu Mastschweinen kaum an Gewicht zulegen", sagt Reinecke im Gespräch mit NDR.de.

Zufall bringt die Kunekune-Schweine nach Schwanewede

Die 34-jährige Landwirtin kam durch Zufall zu den Kunekune-Schweinen, als sie vor fünf Jahren eine Anzeige im Internet entdeckte. "Ich war eigentlich auf der Suche nach einem klassischen Mini-Schwein", erzählt sie. "Aber dann fand ich den Steckbrief sehr interessant und habe mir spontan eine Sau und einen Eber gekauft." Es ist eine Entscheidung, die Reinecke nicht bereut. Im Gegenteil: Die kleinen Schweine, deren Name in der Sprache der neuseeländischen Ureinwohner "dick und rund" bedeutet, gehören schnell zur Familie. Vor allem ihre beiden Söhne schließen "Erna" und "Fritzchen" ins Herz. "Die Tiere haben einen tollen Charakter", sagt Reinecke. "Sie sind gelassen, neugierig und unheimlich aufgeschlossen gegenüber Menschen."

"Erna" verzückt auf dem Skateboard

Dazu kommt noch eine ganz wesentliche Eigenschaft: Kunekune-Schweine sind äußerst intelligent. "Die Tiere können bis zu 100 Kunststücke lernen und danach jederzeit wieder abrufen", so Reinecke. Wie Hunde machen die Schweine auf Kommando "Sitz" oder geben Klaue - die Demonstration mit "Erna" gelingt eindrucksvoll. Das ist allerdings bei Weitem noch nicht alles: Seit Kurzem lernt die kluge Sau Skateboard fahren. Sobald eine Belohnung winkt, steigt sie mit den Vorderpfoten auf das wacklige Spielgerät und kommt sogar ins Rollen. "Bereits nach wenigen Tagen hat 'Erna' auf dem Asphalt ihre ersten Meter zurückgelegt", berichtet Reinecke.

Kleine Schweine, die Skateboard fahren können

Nachwuchs ließ auf sich warten

Das Einzige, was zunächst nicht klappte, war die Fortpflanzung. Vier Jahre lang wartete Reinecke vergeblich auf Nachwuchs. "Ich hatte die Hoffnung eigentlich schon aufgegeben", sagt sie. Im vergangenen Jahr dann die große Überraschung: "Erna" bringt zum ersten Mal Junge zur Welt. Vor gut einem Monat, am 10. Februar, folgt der zweite Wurf, zu dem auch "Rot", "Grün" und "Blau" gehören. "Es ist schön, dass ich zur Erhaltung dieser vom Aussterben bedrohten Art beitragen kann", sagt die Züchterin. Lange werden die kleinen Schweine allerdings nicht mehr auf dem Hof in Schwanewede leben, denn Reinecke will die Ferkel an geeignete Interessenten abgeben. Ein Elternpaar genüge ihr, schließlich sei im kommenden Frühjahr ja auch schon wieder mit dem nächsten Wurf zu rechnen.

Das neueste Projekt sind Texas-Longhorn-Rinder

Reinecke hat übrigens auch abseits der Kunekune-Schweine ein Faible für seltene Rassen. Seit eineinhalb Jahren züchtet sie Texas-Longhorn-Rinder, die sie direkt aus Nordamerika importiert hat. Von dieser Art gibt es nach ihren Informationen in ganz Deutschland nur 50 Tiere. Das Fleisch der Rinder gilt als besonders hochwertig und wird bisher aufgrund des hohen Preises in erster Linie in Sterne-Restaurants angeboten. Falls es mit der Zucht klappen sollte, will sich Reinecke künftig auf diesem Markt etablieren. Die Kunekune-Schweine sollen dagegen auch weiterhin ein Hobby bleiben.