Stand: 10.02.2017 18:27 Uhr

Danish Crown: Leiharbeiter proben den Aufstand

von Olaf Kretschmer
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Die Fleischzerleger der Firma Danish Crown proben den Aufstand - sie fordern eine Festanstellung.

Der Schlachthof Böseler Goldschmaus im Landkreis Cloppenburg hat es im Dezember vorgemacht: Bis Ende des Jahres sollen alle Werkvertragsarbeiter fest angestellt werden. Es waren zähe Verhandlungen. Der Subunternehmer, bei dem die osteuropäischen Fleischzerleger angestellt sind, wollte sein Personal zunächst nicht gehen lassen. Inzwischen ist der Weg frei. In der Branche hat sich das herum gesprochen. Auch an anderen Schlachthöfen sind die prekär Beschäftigten unzufrieden. In Essen im Landkreis Cloppenburg etwa drängen die Mitarbeiter der Firma Danish Crown nun auf eine Festanstellung und proben den Aufstand.

"Ich habe die Lügen und den Betrug satt"

Es sind harsche Worte, die die Arbeiter finden: "Ich möchte endlich, dass der Schlachthof mich fest übernimmt. Ich habe die Lügen und den Betrug beim Subunternehmer satt", sagt ein Fleischzerleger gegenüber Hallo Niedersachsen. Und kündigt an, zurück nach Rumänien gehen zu wollen, wenn er keine Festanstellung bekommt. Ein anderer formuliert es so: "Wir fühlen uns betrogen von dem Subunternehmer. Und wenn es nur ein oder zwei Leute wären, die sich betrogen fühlen, dann wären heute nicht so viele hier."

300 Euro Miete, 100 Euro für den Transport

Ein Aufstand gegen eine Verleihfirma, das ist neu. Normalerweise wagen die Beschäftigten das nicht und sie gehen schon gar nicht vor die Kamera. Zu groß ist bei den meisten die Angst, ihren Job zu verlieren. Gut 70 von rund 100 aus der Kolonne in Essen haben bereits das Gespräch mit dem Schlachthofmanagement gesucht. Der Leidensdruck ist offenbar zu groß geworden: Bis zu 300 Euro Miete für einen Schlafplatz, Transportkosten von bis zu 100 Euro im Monat, Unregelmäßigkeiten bei Urlaubs- und Krankengeld. Das sind die Klagen der Mitarbeiter.

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Wirtschaftsprüfer schaut auf Verträge und Abrechnungen

Danish-Crown-Sprecher Jens Hansen verweist im Gespräch mit Hallo Niedersachsen auf die akuraten Gehaltsabrechnungen. "Wir lassen jährlich die Verträge und Abrechnungen des Subunternehmers von einem unabhängigen Wirtschaftsprüfer überprüfen. Bisher hat es bei der Bezahlung keine Beanstandungen gegeben." Zwar geht aus den Abrechnungen hervor, dass bis zu 300 Euro Miete für einen Schlafplatz bezahlt werden. Aber Danish Crown sieht sich da nicht in der Verantwortung. Konzernsprecher Hansen verweist darauf, dass die Unterkünfte von dem Subunternehmer gestellt werden.

Deutschland - ein Billiglohnland

Dennoch räumt auch der Sprecher von Danish Crown ein, dass die Bedingungen in Deutschland für Arbeiter nicht optimal seien. In Dänemark wären solche Bedingungen gar nicht möglich, weil dort fast alle Fleischzerleger gewerkschaftlich organisiert seien. "Wir mussten hierher kommen, um auf dem Weltmarkt bestehen zu können. Wir sind nicht freiwillig gekommen." In der Branche ist Deutschland ein Billiglohnland. Eine Veränderung könne nicht über einzelne Firmen oder Konzerne herbeigeführt werden, sondern nur über die Politik, sagt Hansen. "Nur die Politik kann Fristen setzen, ab wann welche Rahmenbedingungen erreicht werden müssen."

Danish Crown schmettert Klage ab

Von Danish Crown erhalten die Arbeiter dann auch eine Absage. Sie werden nicht fest angestellt, weil der Konzern an Verträge mit dem Subunternehmer gebunden sei, heißt es. Außerdem brauche man die Möglichkeit, Personal schnell aufzustocken oder auszudünnen. Bis zu 20 Fleischzerleger wollen jetzt die Konsequenzen ziehen: Sie gehen zurück nach Rumänien.

Dieses Thema im Programm:

Hallo Niedersachsen | 10.02.2017 | 19:30 Uhr