Stand: 23.04.2016 08:43 Uhr

Bundeskartellamt nimmt Milchkontor unter die Lupe

Das Deutsche Milchkontor gilt manchen Milchbauern als Grund für zu niedrige Erzeugerpreise. (Archiv)

Viele Milchbauern haben es zurzeit schwer, manche fürchten um ihre Existenz. Denn der Milchpreis fällt seit Langem. Warum der Preis für Rohmilch immer weiter sinkt, will das Bundeskartellamt herausfinden und durchleuchtet den Milchmarkt. Denn - so eine Vermutung - es könnte an langfristigen Verträgen mit den Molkereien liegen, die den Markt gegen neue Molkereien abschotten. Zunächst soll die niedersächsische Großmolkerei Deutsches Milchkontor (DMK) mit seiner größten Produktionsstätte in Zeven im Landkreis Rotenburg (Wümme) unter die Lupe genommen werden. Dazu hat das Bundeskartellamt ein Verwaltungsverfahren gegen das DMK eingeleitet.

Kündigungsfrist von zwei bis drei Jahren

Mehrere Monate werde die Prüfung der Verträge dauern, die das DMK mit seinen Lieferanten geschlossen hat, sagte Kartellamtssprecher Michael Detering. Im Fokus steht die lange Laufzeit der Verträge, mit denen sich die Milchbauern an den Molkerei-Riesen gebunden haben. Sie hätten im Moment eine Kündigungsfrist von zwei bis drei Jahren, so Detering. Zudem gebe es Klauseln, die die Milchbauern verpflichteten, ihre gesamte Milch an eine Molkerei zu liefern. Auch verfolge das Kartellamt den Verdacht, dass die Molkereien sich bundesweit in einem Netz, dem sogenannten Rohmilch-Kartell, über die Milchpreise austauschen, sagte Detering. Und dies geschehe zum Nachteil der Milchbauern.

Meyer: Verhältnis gehört auf den Prüfstand

Niedersachsens Landwirtschaftsminister Christian Meyer (Grüne) hat die Überprüfung begrüßt. In einem Gespräch mit der "Neuen Osnabrücker Zeitung" forderte Meyer zudem "eine bessere Marktstellung der Erzeuger". Das Verhältnis zwischen Milchbauern und Molkereien mit entsprechenden Lieferverpflichtungen sei einseitig zu Lasten der Landwirte und gehöre auf den Prüfstand. Die engen Vertragsbindungen an ein Unternehmen führten dazu, "dass Milchbauern zwischen den Molkereien kaum wechseln können, wenn sie andernorts einen besseren Preis für ihre Milch erhalten würden", so Meyer. Bereits vor vier Jahren hatte das Kartellamt bessere Lieferbedingungen für die Bauern angemahnt.

Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Niedersachsen | Regional Lüneburg | 22.04.2016 | 17:00 Uhr

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