Stand: 02.02.2016 19:04 Uhr

"Berlin" rettet fast 2.000 Flüchtlinge aus Seenot

Es war ein stürmischer Empfang: Am Dienstagmorgen ist der Einsatzgruppenversorger "Berlin" zu seinem Heimatstützpunkt in Wilhelmshaven zurückgekehrt. Einen Tag früher als geplant legte das Schiff an seinem Liegeplatz an. Zahlreiche Freunde und Verwandte begrüßten die Mannschaft im Hafen. Das Wiedersehen war mindestens genauso stürmisch wie das Wetter. Anfang Oktober war die "Berlin" zur "Operation Sophia" ins Mittelmeer aufgebrochen, um Menschen aus Seenot zu retten und gegen Schleuserbanden zu kämpfen.

Bewegende Weihnachtstage auf See

Die Besatzung rettete insgesamt 1.944 Menschen aus Seenot. Aus 16 seeuntauglichen Booten nahm sie die Flüchtlinge an Bord und brachte sie anschließend nach Italien in Sicherheit. In vier Monaten legte die "Berlin" knapp 20.000 Seemeilen zurück. Das entspricht rund 37.000 Kilometern und somit nicht ganz einer Umrundung der Erde. Fregattenkapitän Marcel Rosenbohm äußerte sich nach dem Festmachen in Wilhelmshaven stolz über die Leistungen seiner Crew. Diese habe unterwegs die Debatte in den Medien über Flüchtlinge in Deutschland genau verfolgt. Im Einsatz sei es jedoch für die Seeleute allein um die Rettung von Menschenleben gegangen, unabhängig von deren Herkunft oder Religion. Besonders bewegend seien die Weihnachtstage gewesen. Allein während dieser drei Tage kamen 772 Kinder, Frauen und Männer in die Obhut der deutschen Marine.

Marineschiff "Berlin" zurück im Heimathafen

Regelmäßiger Einsatz im Mittelmeer

Außerdem versorgte die "Berlin" unterwegs Schiffe aus Großbritannien, Spanien, Italien und weiteren Nationen mit Treibstoff. Mit 174 Metern Länge und 20.000 Tonnen Verdrängung gehört die "Berlin" zu den drei größten Schiffen der deutschen Marine. Sie war bereits im vergangenen Mai und Juni im zentralen Mittelmeer unterwegs. Damals waren kurzfristig Marineschiffe zu Rettungseinsätzen vor die Küste Libyens geschickt worden. Anlass war der Untergang eines Bootes, bei dem vermutlich rund 800 Flüchtlinge ertrunken waren. Die Deutsche Marine besitzt mit der "Berlin", der "Bonn" und der "Frankfurt am Main" insgesamt drei dieser Versorgungsschiffe. Die "Frankfurt am Main" war bereits vor einigen Tagen in See gestochen, um die "Berlin" im Mittelmeer abzulösen.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Niedersachsen | Aktuell | 02.02.2016 | 08:00 Uhr

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