Stand: 19.06.2017 18:52 Uhr

Auch zweiter EWE-Vorstandskandidat wirft hin

von Christina Gerlach

Wieder ein Paukenschlag beim Oldenburger Energieversorger EWE: Der für den Vorstand vorgesehene jetzige Geschäftsführer der Tochterfirma EWE Netz, Torsten Maus, zieht seine Kandidatur zurück. Das wurde heute bei der EWE-Aufsichtsratssitzung bekannt. Bereits vergangene Woche hatte ein anderer Bewerber verzichtet. Gegen beide ermittelt die Oldenburger Staatsanwaltschaft unter anderem wegen des Verdachts der Untreue.

KPMG Gutachten belastet Maus

Torsten Maus ist Geschäftsführer der Tochtergesellschaft EWE Netz. Ein Gutachten der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft KPMG, das dem NDR vorliegt, belastet ihn schwer. Er soll über Jahre geduldet haben, dass EWE Netz Schichtzulagen nicht ordnungsgemäß versteuert haben soll. Die darauf fälligen Sozialabgaben wurden laut Bericht nicht abgeführt. Die Staatsanwaltschaft Oldenburg ermittelt. Maus selbst begründete seinen Rückzug mit der Unruhe, die durch "ernstzunehmende Vorwürfe" gegen EWE Netz entstanden sei. "Eine Unruhe, die das Unternehmen, die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter und nicht zuletzt natürlich auch mein persönliches Umfeld, meine Familie und mich stark belastet hat."

Poppe hatte bereits verzichtet

Ende vergangener Woche hatte der Bericht der Wirtschaftsprüfer bereits den ehemaligen Aufsichtsrat der EWE Netz, Timo Poppe, beim Karrieresprung in die Chefetage abrupt gebremst. Danach soll der 37-Jährige, der mittlerweile Vorstand bei der Bremer EWE-Tochter SWB ist, seine Überwachungspflicht verletzt haben. Außerdem kritisieren die Wirtschaftsprüfer eine private Urlaubsfahrt nach Österreich, für die er einen EWE-Vorstandsfahrer für 300 Euro angeheuert haben soll. KPMG rät dem EWE-Aufsichtsrat in diesem Zusammenhang auch auf die charakterliche Eignung der Vorstands-Kandidaten zu achten.

Minimum zwei Vorstände

Mit Maus' Rückzug bleiben weiterhin drei von fünf EWE-Vorstandsposten unbesetzt. Langsam werden die Kandidaten knapp. Der Ex-Vorsitzende, Matthias Brückmann, stolperte über eine 253.000-Euro-Spende an die Klitschko-Brüder, Personalvorstand Nikolaus Behr musste gehen, weil er einen Ex-Mitarbeiter bespitzeln ließ, Technikvorstand Ines Kolmsee hat das Unternehmen vergangenen Dezember verlassen. Und gegen einen der beiden verbliebenen Vorstände, Michael Heidkamp - zuständig für den Vertrieb - ermittelt die Staatsanwaltschaft Oldenburg. Er soll die Spendenanweisung an die Klitschko-Brüder mit seiner Unterschrift zur Überweisung freigegeben haben. Die erste Signatur stammt von Ex-Chef Matthias Brückmann. Die EWE hatte ihn daraufhin fristlos gefeuert. Der Konzern konnte es sich aber nicht leisten, Heidkamp freizustellen, bis die Ermittlungen beendet, die Vorwürfe aufgeklärt sind. Denn damit wäre die EWE handlungsunfähig geworden. Die Satzung legt zwingend fest: "Der Vorstand besteht aus mindestens zwei Personen." Der Energieversorger will nun sogenannte Headhunter engagieren, um Personal für die vakanten Stellen zu finden. EWE hat sich verpflichtet, einen der fünf Vorstandsposten mit einer Frau zu besetzen.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Niedersachsen | Regional Oldenburg | 19.06.2017 | 17:00 Uhr

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