Stand: 09.06.2017 19:00 Uhr

Agrarminister Meyer will "die Sau rauslassen"

Nach der Aufdeckung von offenbar tierquälerischen Praktiken in einem Schweinezuchtbetrieb in Zeven (Landkreis Rotenburg) hat der niedersächsische Landwirtschaftsminister Christian Meyer (Grüne) eine grundlegend neue Form der kommerziellen Tierhaltung gefordert. Die geplanten verstärkten Kontrollen alleine würden nicht ausreichen, sagte er im Gespräch mit NDR 1 Niedersachsen. "Wir sind schließlich nicht bei jeder Tötung dabei", so Meyer. "Aber natürlich wird kein Züchter die Tiere derart grausam töten, wie es auf dem Videomaterial zu sehen ist, wenn in den Betrieben regelmäßige Kontrollen stattfinden." Tierschützer hatten mit versteckten Kameras unter anderem dokumentiert, wie in dem Zevener Betrieb kranke Ferkel geschlagen wurden, um sie zu töten.

Mehr Auslauf für die Sauen

Meyer sprach sich zudem dafür aus, dass die Tiere mehr Auslauf bekommen. "Das Einpferchen der Sauen in engen Kastenständen, in denen sie sich nicht drehen können, ist leider vom Bundesgesetzgeber für legal erklärt worden", so der Minister. Niedersachsen setze sich dafür ein, dass das beendet wird. "Wir machen gerade Vorschläge, wie wir die Sau wirklich rauslassen können und eine grundlegend bessere Tierhaltung bekommen", sagte Meyer.

"Blutige" Proteste in Zeven

Aktivisten des Vereins "Tierschutzbüro" hatten am Donnerstag mit einer spektakulären Aktion auf die Missstände aufmerksam gemacht. Vor dem Hof in Zeven legten sie drei Ferkel aus Plastik in eine große Lache aus Kunstblut. Auf den Plakaten, die die Aktivisten schweigend in die Höhe hielten, stand "Geboren um zu sterben". Der Vereinsvorsitzende Jan Pfeifer erhebt gegen den Betreiber des Hofes schwere Vorwürfe. "Unsere größte Kritik ist, dass hier Ferkel unsachgemäß getötet werden, indem sie auf den Boden geschlagen werden."

Schockierende Bilder aus dem Stall

Dokumentiert sind diese Grausamkeiten auf 100 Stunden Videomaterial. Sechs Monate lang haben sich Aktivisten immer wieder in den Stall geschlichen und heimlich Kameras installiert. Zu sehen sind Ferkel mit verkrusteten Wunden an den Augen, lebende Tiere liegen neben toten, die Zitzen der Sauen sind vereitert. "Wir fordern ganz klar eine Diskussion in der Öffentlichkeit." Es sei nicht das erste Mal, dass der Verein Bilder an die Öffentlichkeit gebracht habe. "Das ist kein Einzelfall, das System krankt", sagte Pfeifer. Die Tierschützer haben inzwischen Strafanzeige gegen den Betrieb gestellt. Die Staatsanwaltschaft Oldenburg prüft derzeit, ob sie Ermittlungen einleitet.

Betreiber mit Stellungnahme

Am Freitag äußerte sich nun auch der Betreiber der Schweinezucht in einer Stellungnahme. "Zusammenfassend nehmen wir die Vorwürfe (...) zur Art und Weise der Nottötung von Ferkeln sehr ernst, weisen aber die im Übrigen erhobenen falschen und unberechtigten Darstellungen zurück", heißt es von der Hollenhof Schweinezucht.

Weitere Informationen
mit Video

Meyer setzt sich durch: Die Sau soll raus

Die Agrarminister von Bund und Ländern haben auf ihrer Konferenz in Hannover beschlossen, die Haltung von Säuen in Kastenständen deutlich zurückzufahren - und zwar schrittweise. (31.03.2017) mehr

Meyer kritisiert neues "Tierwohl"-Label

Bundeslandwirtschaftminister Schmidt hat auf der "Grünen Woche" ein neues, staatliches Tierschutz-Label vorgestellt. Niedersachsens Minister Meyer (Grüne) hält nichts davon. (20.01.2017) mehr

Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Niedersachsen | Regional Lüneburg | 09.06.2017 | 07:30 Uhr

Mehr Nachrichten aus Niedersachsen

03:01

Katastrophenübung: Retter proben den Ernstfall

19.08.2017 19:30 Uhr
Hallo Niedersachsen
02:57

Inventur auf Wangerooge: Forscher zählen Arten

19.08.2017 19:30 Uhr
Hallo Niedersachsen