Stand: 27.07.2015 15:10 Uhr

AKW Unterweser: 18 Störfälle seit Abschaltung

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Trotz Abschaltung kommt es immer wieder zu Störfällen. Der Rückbau des AKW Unterweser soll frühestens im Jahr 2017 beginnen. (Archiv)

Im Atomkraftwerk Unterweser im Landkreis Wesermarsch kommt es auch nach der Abschaltung vor vier Jahren immer wieder zu meldepflichtigen Ereignissen. Ob Kühlwasseraustritt, Leckagen an Abgasturboladern zweier Notstromdiesel oder kaputte Ventile in der Löschanlage - allein 2015 hat das für die Aufsicht zuständige niedersächsische Umweltministerium fünf Vorkommnisse registriert. Seit Abschaltung im März 2011 verzeichnete das Ministerium insgesamt 18 meldepflichtige Ereignisse der untersten - weniger akut-gefährlichen - Kategorie. "Das zeigt, dass wir Kernkraftwerken auch nach der Abschaltung große Aufmerksamkeit widmen müssen", sagte Umweltminister Stefan Wenzel (Grüne) in Hannover. Nun lasse er prüfen, ob ein Zweitgutachter zur Bewertung der meldepflichtigen Ereignisse im von E.ON betriebenen AKW Unterweser hinzugezogen werden müsse.

Rückbau kostet eine Milliarde

Derzeit wird davon ausgegangen, dass der Rückbau frühestens 2017 beginnt. Umweltminister Wenzel rechnet damit, dass die Arbeiten bis zu 15 Jahre dauern werden. Derzeit laufe das Genehmigungsverfahren. Die Kosten für den Rückbau und das zu errichtende Zwischenlager für den Atommüll schätzt Wenzel auf rund eine Milliarde Euro. "Das muss das Unternehmen zahlen, ob es will oder nicht", betonte er.

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Wenzel bezweifelt jedoch schon länger, dass die Rücklagen der Betreiber ausreichen, um den Rückbau aller Atomkraftwerke in Deutschland sowie die noch ungeklärte Endlagerung des Atommülls zu finanzieren. "Wir arbeiten deshalb derzeit an einer Bundesratsinitiative, die zum Ziel hat, die 2017 auslaufende Brennelementesteuer bis 2022 zu verlängern", sagte Wenzel. Diese Milliardeneinnahmen könnten laut Wenzel in einen Fonds fließen und für aufkommende Kosten genutzt werden. 2022 sollen die letzten deutschen Reaktoren abgeschaltet werden.

Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Niedersachsen | Aktuell | 27.07.2015 | 12:00 Uhr