Stand: 08.06.2015 11:04 Uhr

120 Dezibel zum Schutz von Bambi und Co.

Wenn der Kreiselmäher naht, haben Rehkitze fast keine Chance. Weil ihnen der Fluchtinstinkt in den ersten zwei Lebenswochen noch fehlt, laufen sie bei drohender Gefahr nicht weg, sondern drücken sich in den Boden. Dieses Verhalten hat häufig fatale Folgen. Jedes Jahr werden in Deutschland schätzungsweise 500.000 Wildtiere beim Mähen von Feldern getötet - neben kleinen Rehen vor allem Hasen und Fasane.

Ein akustischer Wildretter liegt mit einem langen Kabel auf einem Untergrund mit der Aufschrift Krone. © NDR Fotograf: Oliver Gressieker

Hase, Fasan und Bambi von Mähwerk bedroht

Der Hegering Rastede Nord unterstützt Landwirte, damit weniger Wildtiere durch die Mähwerke ihrer Maschinen getötet werden. Die Maßnahmen sind mitunter einfach und trotzdem effektiv.

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Günstiger Schutz durch akustischen Wildtierretter

Lutz Wemken, der Leiter vom Hegering Rastede Nord, will dazu beitragen, dass das in Zukunft seltener passiert. Zweimal im Jahr informiert er Landwirte, was sie tun können, um tödliche Kollisionen auf den Feldern zu vermeiden. Besonders große Hoffnungen setzt Wemken auf einen akustischen Wildtierretter. Das Gerät, das seit einem Jahr auf dem Vormarsch ist, ähnelt einer kleinen Sirene und verscheucht mit einem Dauerpfeifton in einer Lautstärke von 120 Dezibel Tiere, die im tiefen Gras sitzen. "Diese Lösung ist günstig und erfordert sehr wenig Aufwand", sagt Wemken im Gespräch mit NDR.de. "Die Nachfrage ist so groß, dass der Hersteller derzeit kaum mit der Produktion hinterher kommt."

Kombination von Maßnahmen notwendig

Da junge Rehkitze sogar bei diesem schrillen Pfeiftons nicht die Flucht ergreifen, sind weitere Maßnahmen notwendig. Wemken appelliert an die Landwirte, die Wiesen von innen nach außen zu mähen. So hätten die Wildtiere, die sich zum großen Teil in den Außenbereichen aufhalten, bessere Chancen, sich rechtzeitig zu entfernen. Außerdem sei es unerlässlich, das Gelände mit einem gut ausgebildeten Jagdhund abzusuchen. Diese würden die kleinen Rehkitze am Geruch erkennen und den Landwirt darauf aufmerksam machen. Bewährt hätten sich zudem Flattertüten, die in etwa wie Vogelscheuchen funktionieren. Sie werden einen Tag vor dem Mähen auf der Wiese aufgestellt. "Dadurch verringert sich die Zahl der Wildtiere um 50 Prozent", so Wemken.

Kadaver kann Futter verderben

Die Landwirte sind laut Wemken nicht nur wegen des Tierschutzes sehr an den Maßnahmen interessiert. Für sie ist das Übermähen eines Wildtieres auch deshalb problematisch, weil Teile des Kadavers in die Silage geraten können. Wenn ihre Tiere das verdorbene Futter essen, können sie an Botulismus erkranken, einer durch Bakterien ausgelösten Fleischvergiftung, die tödlichen Folgen haben kann.

Schriller Pfeifton rettet Wildtiere vor dem Tod