Stand: 28.12.2015 13:12 Uhr

Wie ein Wunder: Tot geglaubtes Flüchtlingskind lebt

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Die Eltern des zehnjährigen Mahdi dachten, sie würden ihn nie wiedersehen. Doch zu Weihnachten ist ein Wunder geschehen.

Was Familie Rabani in Bad Bodenteich (Landkreis Uelzen) in diesen Tagen erlebt, mutet an wie ein Weihnachtswunder. Die Rabanis glaubten, sie hätten ihren zehnjährigen Sohn verloren. Es schien sicher: Das Kind ist im Mittelmeer ertrunken, als ein Boot mit Flüchtlingen kenterte. Nun aber hat eine unglaubliche Nachricht die Eltern erreicht: Der Junge lebt und wird bald wieder bei seiner Familie sein. Das unerwartete glückliche Ende einer traumatischen Flucht, die die afghanische Familie hinter sich hat.

Das Boot kentert, viele sterben

In Afghanistan sind die Taliban eine Bedrohung für die Rabanis. Die Familie flieht. Doch auf der Flucht geht etwas schief: Von der Türkei aus wollen sie ein Boot nach Griechenland besteigen. Mehrere Boote stehen bereit - und an Land wartet eine wahre Menschenmasse. Das Gedränge ist groß, die Rabanis und ihr Sohn Mahdi verlieren sich aus den Augen. Der Zehnjährige besteigt ein anderes Boot als die übrigen Familienmitglieder. Und dieses Boot kentert. Viele Flüchtlinge ertrinken. Von Mahdi keine Spur. Die verzweifelten Eltern müssen davon ausgehen, dass auch er die Reise nicht überlebt hat. Gewissheit, was mit ihm geschehen ist, haben sie aber nicht.

Helfer sucht wochenlang nach Mahdi

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Rani Hijazi (re.) sucht wochenlang nach dem Sohn der Familie Rabani.

Die Familie landet in Bad Bodenteich. Und dort nimmt sich Rani Hijazi, Flüchtlingsbegleiter beim Deutschen Roten Kreuz (DRK), ihrer an: Er macht sich auf die Suche nach Mahdi. Wochenlang telefoniert er alle deutschen Flüchtlingsunterkünfte ab. Nirgends ist Mahdi aufgetaucht. Dann hilft eine neue Information weiter: Hijazi bekommt mit, dass viele Afghanen versuchen, in die Schweiz einzureisen. "Das hieß für mich: Wenn sich der Junge einer anderen Familie angeschlossen hat, die mit ihm auf dem Boot war, dann ist er vielleicht in der Schweiz", so der Helfer. Weiter geht es mit der Suche, diesmal im Nachbarland. Und das Wunder geschieht: Rani Hijazi hat endlich Erfolg. Er findet Mahdi, der Junge lebt, er ist in der Schweiz.

Vater ist außer sich vor Freude

Der Zehnjährige lebt in einer Flüchtlingsunterkunft im Schweizer Kanton Bern. "Heute habe ich die E-Mail bekommen, dass der Junge in vier bis fünf Wochen nach Deutschland reisen kann", erzählt der glückliche Hijazi am Mittwoch. "Das muss alles behördlich geregelt werden und dann bekommt die Familie ihren Sohn zurück." Familienvater Mohammed Ibrahim fällt seinem Helden um den Hals und bedankt sich - immer und immer wieder.

"Das schönste Weihnachtsgeschenk"

Dank für die unermüdliche Suche des DRK-Manns kommt auch vom Sprecher des Landkreises Uelzen, Martin Theine. Diese Geschichte sei ein Beispiel dafür, wie engagiert und "mit viel Herz" sich die Mitarbeiter einbrächten. "Wenn es so ausgeht wie in diesem Fall, dann ist das das schönste Weihnachtsgeschenk. Nicht nur für die Familie, sondern auch für uns als Landkreis."

Anm. d. Redaktion: Der Artikel wurde geändert. In der vorherigen Version stand, dass die Familie Rabani von der Türkei nach Ägypten gefahren ist. Das ist falsch. Tatsächlich hat sie per Boot von der Türkei nach Griechenland übergesetzt.

Hintergrund

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Niedersachsen | Regional Lüneburg | 23.12.2015 | 17:00 Uhr