Stand: 19.12.2015 16:03 Uhr

Demo nach Brandanschlag in Bad Bevensen

In Bad Bevensen im Landkreis Uelzen haben Unbekannte eine geplante Unterkunft für Flüchtlinge in Brand gesteckt - und viele Einwohner der Stadt sind entsetzt. Die Polizei ermittelt wegen vorsätzlicher Brandstiftung. Wegen des möglichen politischen Hintergrunds - eines Anschlags mit fremdenfeindlichem Motiv - hat sich auch der Staatsschutz eingeschaltet. Als Reaktion auf die Tat haben sich Menschen in Bad Bevensen am Sonnabend zu einer Demonstration gegen Fremdenhass zusammengefunden. Die Stadt, der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) und weitere Organisatoren hatten dazu aufgerufen.

Bad Bevensen: Für Flüchtlinge, gegen Rassismus

Laut Polizei war die Stimmung ruhig

Der Demonstrationszug, zu dem nach Schätzungen der Polizei mehr als 500 Teilnehmer kamen, führte vom Bahnhof durch die Innenstadt zu der geplanten Flüchtlingsunterkunft, einem leer stehenden Supermarkt. Die Stimmung sei ruhig gewesen, sagte ein Polizeisprecher. Der Brandanschlag sei eine Folge anhaltender Ablehnung und Verfolgung von Geflüchteten, kritisierten die Organisatoren. Auf Bürgerversammlungen, durch rassistische Bürgerinitiativen und durch hetzende Brandreden Einzelner werde das Leben der Geflüchteten zusätzlich erschwert und ihr persönliches Schicksal auf rassistische Zuschreibungen und Vorurteile reduziert, hieß es. Bereits am Freitagabend war in der Innenstadt von Bad Bevensen eine Mahnwache abgehalten worden.

Anschlag auch für Ehrenamtliche "ein Schlag ins Gesicht"

"Wir begrüßen die Veranstaltungen und das Bürger-Engagement sehr", sagte Stadtsprecher Jörn Nolting im Vorfeld. Denn es sei wichtig, dass die Stadt jetzt Gesicht zeige: "Der Brandanschlag ist sehr rufschädigend für Bad Bevensen. Wir leben vom Tourismus. Wir wollen, dass die Leute hierherkommen", so Nolting. Darüber hinaus gebe es zahlreiche Ehrenamtliche in der Stadt, die sich für Flüchtlinge einsetzten. "Gerade für sie war der Anschlag in meinen Augen ein Schlag ins Gesicht."

Ermittler bitten um Hinweise

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Die Ermittler wollen die Herkunft eines Holzbretts klären. Es war ursprünglich 2,20 Meter lang, hier ein Stück des Bretts.

Unbekannte hatten am Sonntag in dem Gebäude Feuer gelegt, die Wasserhähne aufgedreht und die Abflüsse verstopft. Der Polizei zufolge ist ein Schaden von mehreren Zehntausend Euro entstanden. Nun hoffen die Ermittler auf Zeugen. Konkret wollen sie die Herkunft eines etwa 2,20 Meter langen und 3,5 Zentimeter dicken Holzbretts klären, das am Tatort gefunden wurde. Hinweise nimmt die Polizei in Uelzen unter (0581) 93 00 entgegen.

Landkreis hält an Flüchtlingsunterkunft fest

Trotz des Feuers bleibt es dabei, dass der ehemalige Supermarkt zur Flüchtlingsunterkunft hergerichtet wird. Rund 200 Asylbewerber könnten dort unterkommen. Im Januar sollten die Flüchtlinge eigentlich einziehen. Nach NDR Informationen wird sich das um einen Monat verzögern, da zunächst die Schäden an dem Gebäude behoben werden müssen.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Niedersachsen | Regional Lüneburg | 18.12.2015 | 17:00 Uhr