Stand: 06.03.2015 07:29 Uhr

Wolfshysterie? Ein Schäfer rechnet ab

Keine Frage, es ist in letzter Zeit viel berichtet worden über den Wolf, der nun wohl definitiv zurück ist in Niedersachsen. Ob der Wolf nun wie in Wildeshausen durch ein Wohngebiet streift, für eine kleine Tragödie in Moide sorgt oder sich nahe eines Kindergartens in Goldenstedt blicken lässt, stets geht es darum, wie gefährlich der Raubjäger anderen Tieren oder sogar Menschen werden kann. Denn offenbar, so sagten es jüngst selbst Wolfsberater, sind einige vorwitzige Wolfsexemplare aufgetaucht, die kaum noch Scheu zeigen vor dem Menschen und vor denen kaum ein Schaf sicher ist. Doch ausgerechnet ein Schäfer fordert jetzt: Schluss mit der Wolfshysterie.

Den Wolf als Nachbarn

"Leute, geht's noch?", fragt Schäfer Thomas Rebre in einem Leserbrief in der "Lüneburger Landeszeitung" (Donnerstagsausgabe). Rebre hält eine Heidschnuckenherde in Amelinghausen (Landkreis Lüneburg), seit 2012 in direkter Nachbarschaft zu einem Wolfsrudel. Er schützt seine Herde mit extra hohen Elektrozäunen und nächtlichen Einzäunungen, sogenannten Nachtpferchen. Die Anschaffung solcher Zäune wird teilweise vom niedersächsischen Umweltministerium gefördert. "Etwas mehr Arbeitsaufwand und etwas mehr Aufmerksamkeit" hätten ihn bislang vor Verlusten bewahrt, sagt Rebre, der immerhin 350 Schafe hütet. Im letzten Satz seines Schreibens heißt es: "Das Existenzrecht des Wolfes steht und stand für uns nie zur Debatte."

Tierhalter finden kreative Lösungen

Für mehr Sachlichkeit plädiert auch die Sprecherin des Umweltministeriums, Dunja Rose. Probleme und mögliche Gefährdungen durch den Wolf dürften nicht verharmlost, aber auch nicht dramatisiert werden. Einige Tierhalter haben offenbar bereits Lösungen für ein Leben mit dem Nachbarn Wolf gefunden: Im Wendland setzt ein Schäfer auf spezielle Schutzhunde, sie sollen die Herde bei einer Wolfsattacke sogar verteidigen. In Twistringen (Landkreis Diepholz) beschreitet man moderne Wege: Dort hüten zwei Esel eine Schafherde, die laut losbrüllen, sobald sich ein Wolf nähert. Und gegen diese Art von Alarm haben wohl weder Wolfs-Fans noch -Skeptiker etwas.