Stand: 26.01.2016 19:45 Uhr

Wolf kämpft mit Hündin in Wardböhmen

Am Ortsrand des kleinen 400-Einwohner-Dorfes Wardböhmen bei Bergen (Landkreis Celle) hat ein Wolf einen Hund gebissen. Der Vorfall hat sich laut örtlichem Wolfsberater Jörg-Rüdiger Tilk bereits am Freitag ereignet. Demnach war die Besitzerin mit ihrer Mischlingshündin auf einem Feldweg spazieren, als ihnen der Wolf begegnete. "Der Wolf hat uns verfolgt. Er kam immer weiter heran, bis auf fünf Meter", erzählt die Hundebesitzerin im Gespräch mit NDR.de. Daraufhin habe sie ihre Hündin abgeleint. Die Mischlingsdame sei daraufhin sofort auf den Wolf zugesprungen. Im Gerangel habe der Wolf dann zugebissen. Die Hündin habe mehrere leichte Wunden am Hals erlitten. "Das war normales Rangordnungsverhalten des Wolfes, nehme ich an", sagt die Hundebesitzerin. "Aber natürlich hatte ich auch Angst." Mit Schreien und Gesten, so erzählt sie, habe sie die beiden Tiere trennen und den Wolf schließlich vertreiben können. "Der wich nur ganz langsam zurück." Anschließend hat sie den Vorfall dem Wolfsberater und der Polizei in Bergen gemeldet.

Wolf gehört zum auffälligen 2014er-Wurf

Für Wolfsberater Tilk ist klar, dass es sich bei dem Wildtier um ein Mitglied des sogenannten Munsteraner Rudels handelt. Auf den Fotos, die die Frau vom Wolf gemacht hat, sei eindeutig ein Sender-Halsband zu erkennen. Und in der Region seien zurzeit nur zwei Exemplare besendert - beide aus eben diesem Rudel, das wegen seiner geringen Scheu gegenüber Menschen bereits mehrfach aufgefallen ist.

Der Wolfsberater ist dennoch von der Begegnung überrascht, weil die Tiere seit der Besenderung nicht mehr groß in Erscheinung getreten seien. Sie seien in den vergangenen Monaten zwar gesehen worden, allerdings nicht auffällig gewesen. Aufgrund der DNA-Tests bei der Besenderung stehe zweifelsfrei fest, dass es ein Jährling aus dem 2014er-Wurf ist. Zu diesem gehören auch der - inzwischen überfahrene - "Wanderwolf" und der schleswig-holsteinische "Problemwolf".

Wölfe kommen anscheinend näher an die Häuser

Warum der Wolf zugebissen hat, kann Tilk nicht erklären. Auf alle Fälle habe der Wolf kein normales Verhalten gezeigt, als er so dicht an Hund und Mensch herankam. "Ich finde, die Leute auf den Dörfern müssten in Zukunft besser informiert werden, dass die Wölfe bis an die Wohngebiete herankommen", findet die Hundebesitzerin. "Die Begegnung mit dem Wolf war nur 100 Meter von der Dorfgrenze entfernt, auf offenem Gelände." Wenn die Wölfe im Wald blieben, so sei dies in Ordnung, sagt sie NDR.de. Sie habe nichts gegen die Rückkehr des Wolfes.

 

Links

Wie sollte man auf den Wolf reagieren?

Auf der Internetseite des Niedersächsischen Ministerium für Umwelt, Energie und Klimaschutz finden Sie Verhaltensemphelungen im Fall einer Wolfs-Begegnung. extern

Aktuelles zum Wolf in Niedersachsen

Auf dem Wolfsportal des Niedersächsischen Umweltministeriums finden Sie weitere Nachrichten und aktuelle Information zu Wolfs-Vorfällen und Begegnungen in Niedersachsen. extern

Wollte sich Hündin mit Wolf paaren?

Andere Wolfsberater wie der für Celle zuständige Jäger Helge John und Britta Habbe von der Landesjägerschaft halten es für möglich, dass die Paarungszeit der Wölfe, die sogenannte Ranzzeit, der Grund für den Vorfall in Wardböhmen ist. Beim Wolf dauert sie von Januar bis März. Da Wolf und Hund verwandte Tiere seien, würden sie sich schon einmal näherkommen. Es gebe mehrere - wenn auch nicht dokumentierte - Fälle, in denen beispielsweise Hunde läufigen Wolfsfähen hinterhergelaufen seien. Auch umgekehrt gebe es dieses Verhalten.

Weitere Informationen

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Niedersachsen | Regional Lüneburg | 26.01.2016 | 16:30 Uhr