Stand: 07.03.2016 20:06 Uhr

Wolf "MT6" ist geortet - aber auch vergrämt?

von Ulrike Kressel

"Das war ein kurzer Flug", sagte Hartmut Dittmer, Pilot der Lüneburger Feuerwehrflieger. Normalerweise hält die Besatzung des Feuerwehr-Flugdienstes bei extremer Trockenheit Ausschau nach Wald- und Flächenbränden - am Sonntag dagegen nach dem meist gesuchten Wolf in Niedersachsen. Nur gut eineinhalb Stunden dauerte der Einsatz, dann gab es einen Erfolg: Zwischen dem Truppenübungsplatz Munster und Lüneburg schickte der Sender des Wolfsrüden ein Signal in den Himmel.

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Schneller Kontakt aus der Luft zur Erde

An der rot-weißen Cessna des Lüneburger Feuerwehr-Flugdienstes hatten Mitarbeiter des niedersächsischen Umweltministeriums die Antenne für die sogenannte Kreuzpeilung angebracht. Im Flugzeug befand sich das Empfangsgerät. Schon nach kurzer Zeit habe der Wolf mit dem wissenschaftlichen Namen "MT6" geortet werden können, sagte Verena Harms, Artenschutzreferentin im Umweltministerium. Sie hielt auf dem Lüneburger Flughafen Kontakt mit einem Kollegen an Bord des Flugzeugs.

Team hat Verfolgung aufgenommen

Die Info darüber, an welcher Stelle der Wolf geortet wurde, gab Harms direkt weiter an den schwedischen Experten, der den Wolf vergrämen soll. Mit einem zehnköpfigen Team nahm Wolfsforscher Jens Karlsson vom "Swedish Wildlife Damage Centre" in Grimsö dann die Verfolgung des Wolfes auf. Ob das Team um Karlsson das gesuchte Tier auch gefunden hat, ist noch nicht bekannt. Informationen dazu wollte das Umweltministerium im Lauf des Montagabends bekannt geben.

"Am Boden ist die Suche schwieriger"

Die Suche am Boden sei jedenfalls nicht so einfach wie aus der Luft, sagte Wolfsberater Rüdiger Tilk, denn um den Wolf hier orten zu können, müssten die Suchenden mindestens auf 1.000 Meter an den Wolf herankommen. "Jeder Baum, jeder Strauch, der in der Landschaft stehe, kann mögliche Signale schlucken." Die Suche nach dem knapp zweijährigen Wolfsrüden aus dem Munsteraner Rudel sei jetzt so aufwendig, weil der GPS-Sender des Tieres seit Mitte Dezember keine Signale mehr abgesetzt hat. "Deshalb muss jetzt auf die althergebrachte Methode der Kreuzpeilung zurückgegriffen werden", erklärte Tilk.

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Vergrämung - die letzte Chance für "MT6"

Weil sich der Wolf in der vergangenen Zeit immer wieder auffällig zutraulich Menschen genähert hatte, soll der Wolf vergrämt, also zum Beispiel mit Gummimunition beschossen werden, um so wieder mehr Scheu vor Menschen zu bekommen. Das hatte Umweltminister Stefan Wenzel (Grüne) angekündigt. Mit der Vergrämung wurde Karlsson beauftragt, weil er der einzige in Europa sei, der damit Erfahrung habe und über die nötige Ausrüstung verfüge, so das Umweltministerium. Wie der Wolf vergrämt werde, entscheide der Experte selbst, so Wenzel. Eine Erfolgsgarantie gebe es jedoch nicht. Sollte der Vergrämungsversuch scheitern, müsse darüber nachgedacht werden, den Wolf einzufangen oder zu töten.

Dem richtigen Wolf auf der Spur?

Neben "MT6" - von seinen Fans liebevoll "Kurti" genannt - ist noch ein weiterer Wolf aus dem Munsteraner Rudel mit einem Sender ausgestattet: eine Wölfin aus dem gleichen Wurf. Dieses Tier wird unter dem wissenschaftlichen Namen "FT10" geführt. Auch der GPS-Sender der Wölfin sendet keine Signale mehr. Eine Ortung sei somit auch hier nur über eine Kreuzpeilung möglich, sagte Verena Harms. Die Mitarbeiter seien aber sicher, dem richtigen Wolf auf der Spur zu sein. Der Grund: Die Signale beider Wölfe senden auf unterschiedlichen Frequenzen, so Harms. Daher könnten die Tiere exakt auseinandergehalten werden. Als verhaltensauffällig hätte sich eindeutig der Rüde gezeigt, so Harms, und der solle jetzt vergrämt werden.

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