Stand: 19.01.2016 21:06 Uhr

Juweliere nach brutalen Überfällen in Sorge

von Kerstin Geisel

Nach einer Reihe von Raubüberfällen sind die Juweliere im Heidekreis und im Landkreis Rotenburg in Sorge. Fünf Überfälle zählt die Polizei seit September: zwei in Schneverdingen und jeweils einen in Munster, Rotenburg und Scheeßel. Die Polizeidirektion in Lüneburg hat die Ermittlungen nach eigenen Angaben übernommen. Sie prüft, ob zumindest in vier der fünf Fälle dieselben Täter am Werk waren. Dafür spricht, dass es in diesen Fällen immer zwei maskierte, hochdeutsch sprechende Männer waren - der eine groß, der andere klein. Sie überfielen die Geschäfte jeweils am helllichten Tag, sie bedrohten die Angestellten mit einer Schusswaffe, sie fesselten sie.

Räuber sticht mit Messer zu

Nur die jüngste Tat in Schneverdingen fällt aus dem Rahmen: Die beiden Täter überfielen am vergangenen Sonntag keinen konventionellen Juwelier, sondern ein in einer Wohnstraße gelegenes Geschäft für Heilsteine. Es hatte wohl zufällig gerade geöffnet. Diesmal stach einer der Täter auch mit einem Messer zu. Ein Angestellter wurde leicht verletzt. "Die Täter entkamen mit etwa 2.800 Euro Bargeld und diversen Steinen", sagt Polizeisprecher Olaf Rothardt aus Soltau. Da die Täter nicht sprachen, sei unklar, ob sie Deutsche seien.

Angst seit den Überfällen

Zwei der betroffenen Geschäftsleute im Heidekreis sagten dem NDR, sie und ihre Mitarbeiter seien seit den Überfällen ängstlicher geworden. Juwelier Helmut Bartsch aus Munster berichtet, zwei seiner Mitarbeiterinnen seien äußerst aggressiv bedroht und mit Kabelbindern gefesselt worden. "So fest, dass sie deswegen ins Krankenhaus mussten", so Bartsch. In seinem Geschäft sei unter anderem der Tresor ausgeräumt worden: "Jetzt habe ich in diesem Bereich zusätzliche Kameras angebracht", sagt Bartsch. "Das hatte ich vorher nicht für nötig gehalten." Der Juwelier ist mit der Arbeit der Polizei eher unzufrieden. So seien seine Mitarbeiterinnen erst in der Woche nach dem Überfall befragt worden. Und auch Spürhunde seien erst spät angerückt: "Der Überfall war am Freitag - und die Hundestaffel kam erst am Montag. Ich bezweifle, dass das noch viel gebracht hat."

Steigt die Zahl der Überfälle?

Der Juwelier aus Munster ist besonders gebeutelt, weil in den vergangenen Monaten auch seine drei anderen Filialen heimgesucht wurden: In Soltau war es ein Blitzeinbruch, in Leer rasten die Täter mit einem Auto ins Schaufenster und räumten es leer. Und in Brake verschwanden bei einem Trickdiebstahl 40 Armbanduhren. "Das alles macht uns gewaltig Sorgen", sagt er. Bartsch ist überzeugt: Die Zahl der Juwelier-Einbrüche und Überfälle steigt. Nach Angaben der Mannheimer-Versicherung, die einen Großteil der Juweliere in Deutschland unter Vertrag hat, stimmt das: "Das ist jedenfalls der subjektive Eindruck unserer Schaden-Abteilung. Die Zahlen für 2015 liegen aber noch nicht vor", sagt Versicherungssprecher Roland Koch.

Warndienst: Meist schlagen Banden zu

Martin Winckel vom Internationalen Juwelier-Warndienst in Lünen bei Dortmund spricht von einem gleichbleibend hohen Niveau. Schmuck sei als Beute sehr begehrt. "Denn der lässt sich leicht abtransportieren und leicht zu Bargeld machen", sagt Winckel. Deutschlandweit würden rund 100 Juweliergeschäfte im Jahr überfallen, bei mehr als 300 gebe es Einbrüche und bei rund 230 Diebstähle. Die Täter gehörten meist zu Banden, in letzter Zeit häufig aus Litauen. Der Warndienst berät Juweliere aus mehreren europäischen Ländern. "Um die Sicherheit zu erhöhen, sollten die Geschäftsleute einen oder zwei Wachleute am Eingang postieren", sagt Winckel. Das könnten sich allerdings die meisten nicht leisten. Hilfreich sei es auch, grundsätzlich die Tür verschlossen zu halten und nur vertrauenswürdige Kunden hereinzulassen. "So verhindert man zumindest, dass maskierte Täter in den Laden stürmen."

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