Stand: 04.12.2016 16:57 Uhr

Südergellersen: Drei Angriffe, zwölf tote Schafe

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Zehn Lämmer und zwei Muttertiere sind bei den Attacken in Südergellersen getötet worden.

Die Verzweiflung ist Schäfer Gerd Jahnke deutlich anzuhören. "Der Anblick war einfach nur schlimm", sagt er im Gespräch mit NDR.de. "Ich weiß kaum noch, wie es weitergehen soll." Dreimal innerhalb von nur einer Woche ist seine Schafsherde in Südergellersen (Landkreis Lüneburg) angegriffen worden - insgesamt zwölf Tiere wurden getötet, 18 weitere zum Teil schwer verletzt. Am heftigsten war die dritte Attacke in der Nacht zu Sonnabend, als gleich sieben Schafe totgebissen wurden.

Deutliche Indizien für Wolfsangriff

Der offizielle Beweis steht zwar noch aus, doch Jahnke ist sich sicher, dass in allen drei Fällen der Wolf zugeschlagen hat. "Es wurden große Teile der toten Lämmer aufgefressen, ein Tier sogar in der Mitte auseinandergerissen", berichtet der Schäfer. "Das würde ein Hund niemals tun." Der zuständige Wolfsberater hat DNA-Spuren genommen, wann das Ergebnis vorliegt, ist noch offen.

Angriffe erfolgen trotz Schutzmaßnahmen

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Schäfer Gerd Jahnke schläft vorerst in einem Wohnwagen auf der Weide, um seine Tiere zu schützen.

Besonders beunruhigend ist für den Halter der Schafe, dass auch diverse Schutzmaßnahmen den oder die Angreifer nicht abgehalten haben. Die rund 700 Tiere der Herde wurden auf der eingezäunten Weide von einem Esel begleitet, beim letzten Angriff war sogar ein Herdenschutzhund mit dabei. "Besser können wir uns nicht schützen", sagt Jahnke. "Wenn das nicht reicht, weiß ich es auch nicht." Vorerst greift der Schäfer deshalb zu einem ungewöhnlichen Mittel: Er übernachtet in einem Wohnwagen auf der Schafweide, um im Falle eines Angriffs sofort reagieren zu können. Ein Dauerzustand könne das aber natürlich nicht sein, sagt er.

Chronologie: Der Wolf in Niedersachsen (ab 2015)

"Wie eine böse Krankheit, die kein Ende nimmt"

Jahnke fordert, dass die Politik konkrete Maßnahmen ergreift, um die Schäfer besser vor den Wölfen zu schützen. "Tiere, die ständig Schäden verursachen, müssen erschossen werden", verlangt er. Wenn es so weitergehe wie bisher, sei nicht der Wolf, sondern eher die Schafhaltung vom Aussterben bedroht. Klare Worte richtet er auch an Niedersachsens Umweltminister Stefan Wenzel (Grüne). "Er muss endlich eindeutig sagen, wie er sich das in Zukunft vorstellt", sagt Jahnke. Bisher habe der Minister das Problem immer nur beschönigt. Wenzel betonte gegenüber dem NDR noch einmal, dass die Zahl der gerissen Nutztiere dank des Wolfsmanagements im vergangenen Jahr zurückgegangen sei. "Der Mensch musste über Jahrtausende mit dem Wolf zusammenleben und deshalb glaube ich, dass wir das auch jetzt schaffen", so der Minister. Jahnke machen solche Aussagen wütend. "Am liebsten würde ich Wenzel nach einem Wolfsangriff mal dabeihaben, wenn wir die toten Lämmer einsammeln und nach den verletzten Tieren suchen", sagt er. Die Wölfe seien wie eine böse Krankheit, die einfach kein Ende nimmt.

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Dieses Thema im Programm:

Hallo Niedersachsen | 04.12.2016 | 19:30 Uhr