Stand: 18.11.2015 19:21 Uhr

"Robby" wird ein Fall für das Verwaltungsgericht

Seit Jahrzehnten lebt und "arbeitet" Schimpanse "Robby" im Circus Belly. Unter anderem auf Drängen von Tierschützern ist die Genehmigung zum Halten und Vorführen des Menschenaffen vor Kurzem nicht mehr verlängert worden. Der 44 Jahre alte "Robby" darf also nicht mehr in die Manege - und er soll auch, so fordern es die Behörden, gegen Ende des Jahres artgerecht untergebracht werden. Doch dagegen hat nun Zirkuschef Klaus Köhler aus Wietzendorf (Heidekreis) geklagt. Dass "Robby" nicht mehr auftreten darf, ist kein Streitpunkt. Aber: Er soll im Zirkus bleiben dürfen und dort seinen Lebensabend verbringen.

Ein Schimpanse, ein Hund und ein Mann stehen in einem Raum, der mit Stroh ausgelegt ist. © NDR Fotograf: Thomas Hans

"Für uns ist er ein Teil der Familie"

Schimpanse "Robby" aus dem Circus Belly soll artgerecht untergebracht werden. Zirkusdirektor Klaus Köhler jedoch ist sicher, für den Affen alles zu tun, was für ihn wichtig ist.

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Vier Stunden täglich beschäftigen sich Köhlers mit "Robby"

"Robby" sei ein Teil der Familie, der mit Köhlers Kindern groß geworden sei, sagt er. Für alle sei es wichtig, dass sich der Schimpanse wohlfühle und artgerecht gehalten werde. Vier Stunden täglich würden er, seine Frau und seine Kinder sich mit ihm beschäftigen. "Robby" lebe in einem beheizten Zirkuswagen und habe außerdem ein Außengehege, insgesamt 68 Quadratmeter.

Peta fordert, Schimpansen in Auffangstation zu bringen

Doch Tierschützer kritisieren die Haltungsbedingungen von "Robby". So wie alle anderen Wildtiere im Circus Belly werde er eben nicht artgerecht gehalten. Das müsse ein Ende haben, fordert Frank Schmidt von Peta Deutschland. Schimpansen seien soziale Tiere und dürften laut Zirkusrichtlinien gar nicht allein gehalten werden. "Wir fordern, dass er möglichst jetzt schon beschlagnahmt wird, damit er an die Schimpansen-Auffangstation in den Niederlanden geschickt werden kann, wo er dann endlich wieder nach Jahrzehnten mit Artgenossen sozialisiert werden kann."

Schimpanse "Robby" und der Circus Belly

TiHo-Experte: "Man sollte ihn lassen, wo er ist"

"Affen im Zirkus zu zeigen, ist mittelalterlich", sagt der Leiter des Tierschutzzentrums der Tierärztlichen Hochschule (TiHo) Hannover, Hansjoachim Hackbarth. Er plädiert dennoch dafür, dass "Robby" im Zirkus bleibt. Denn der Affe sei ganz und gar an die Familie gewöhnt: "Er betrachtet sicherlich die Menschen, die um ihn herum sind, mit denen er seit Jahrzehnten zusammenlebt, als sein Rudel." Der Schimpanse mache dabei keinen Unterschied, ob seine Familie aus Menschen oder Affen bestehe, so Hackbarth. "Auch Menschen sind Affen im weitesten Sinne - und ich denke, man sollte ihn dort lassen, wo er ist."

Verwaltungsgericht entscheidet voraussichtlich diese Woche

Das voererst letzte Wort hat nun das Verwaltungsgericht Lüneburg - und das wird sein Urteil voraussichtlich noch in dieser Woche fällen. Allerdings könnte der Fall "Robby" noch weitere Prozesse nach sich ziehen. Denn wegen eines Vorfalls vor knapp zwei Wochen ermittelt die Polizei derzeit noch wegen Sachbeschädigung und Körperverletzung. In Garbsen bei Hannover hatten Tierschützer vor dem Zirkus protestiert. Daraufhin soll ein Bagger einen Stand der Tierschützer, der offenbar direkt neben der Zirkuskasse aufgebaut war, einfach plattgewalzt haben.

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