Stand: 16.04.2017 15:02 Uhr

Restaurierte Schnitger-Orgel wieder eingeweiht

Nach mehrjährigen Restaurierungsarbeiten ist am Ostersonntag die historische Arp-Schnitger-Orgel in der evangelischen St.-Johannis-Kirche von Oederquart mit einem Festgottesdienst eingeweiht worden. Mehr als 650.000 Euro hat die Wiederherstellung des Instruments gekostet, das der barocke Orgelbaumeister Arp Schnitger (1648-1719) zwischen 1678 und 1682 angefertigt hat. Zuletzt wurden noch die Pfeifen gestimmt und letzte Register eingebaut, sagte Wolf-Christian von Uslar-Gleichen, Vorsitzender des Fördervereins zur Restaurierung der Orgel. Pünktlich zum Fest war dann alles fertig. Die Orgel in der Kirche des kleinen Dorfes nahe der Elbe im Nordkehdinger Land zwischen Stade und Cuxhaven gilt unter Experten als einzigartig.

"Schnitger-Klang" schwer zu treffen

Den Grund dafür kennt Orgelbaumeister Rowan West aus Ahrweiler bei Bonn, der schon andere Schnitger-Orgeln restauriert hat. "Es ist Schnitgers erstes selbstständiges Werk", sagte West dem Evangelischen Pressedienst. Der Spezialist für Schnitger-Orgeln bekam 2013 den Auftrag, das Instrument in drei Bauabschnitten zu restaurieren. Die Intonation des Instruments sei kompliziert, sagte West. "Den Schnitger-Klang hinzubekommen, ist die schwierigste Aufgabe, die sich einem Orgelbauer im 21. Jahrhundert stellen kann. Dahinter liegen Geheimnisse und Bautechniken, die wir nicht mehr kennen, und hinter die wir jetzt, 300 Jahre später, erst Stück für Stück kommen."

Filz und Kunststoff lösten sich auf

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1.523 Pfeifen hat die Schnitger-Orgel in Oederquart - und nun auch wieder einen perfekten Sound. (Archivbild)

Die Restaurierung war notwendig geworden, weil ein durchgreifender Umbau vor mehr als 100 Jahren zum Verlust vieler Pfeifen aus der Schnitgerschen Werkstatt geführt hatte. Später wurden bei Sanierungsarbeiten zudem Kunststoffe und Filz verwendet, die sich langsam auflösten. "Es war nicht mehr viel vom Original da, auch klanglich nicht", sagte der Stader Kreiskantor und Orgelsachverständige Martin Böcker. Immerhin existierten noch die sichtbaren Zinnpfeifen, die sogenannten Prospektpfeifen. "Sie gaben uns den Weg vor, wie das Instrument klingen könnte", verdeutlichte der Kirchenmusiker.

1.523 Pfeifen, 28 Register, eine Orgel

Orgelbaumeister West ist froh, dass es sie überhaupt noch gab: "Während des Ersten Weltkrieges wurden Zinnpfeifen vielerorts eingeschmolzen." Die Landeskirche, die hannoversche Klosterkammer, EU, Stiftungen, Lions-Club, Firmen und viele Privatspender haben sich an den Restaurierungskosten beteiligt. Nun soll der Orgelschatz mit 28 Registern und insgesamt 1.523 Pfeifen wieder so klingen, wie ihn Schnitger abgeliefert hat. Orgelbaumeister West schwärmte schon vor dem offiziellen Einweihungstermin, zu dem unter anderen Stades Regionalbischof Hans Christian Brandy nach Oederquart kam: "Es ist ein filigranes, elegantes, klares und zugleich gravitätisches Klangbild."

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Niedersachsen | Regional Lüneburg | 14.04.2017 | 17:00 Uhr

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