Stand: 16.01.2016 13:13 Uhr

Heilpraktiker im Drogenrausch: "Zulassung entziehen"

von Lars Gröning

Stefka Weiland ist auf dem Weg in den Winterurlaub. "Die Pause wird guttun", sagt die Chefin der Tanzheimat Inzmühlen. "Es war für mich persönlich eine harte Zeit, ich hatte so viele schlaflose Nächte", sagt die Tanztherapeuthin mit den Gedanken an den 4. September vergangenen Jahres. Das war jener Tag, an dem sich in ihrem Tagungshaus 29 Heilpraktiker aus ganz Deutschland vergifteten. Im Rahmen eines Selbstversuchs hatten sie während eines Seminars die verbotene Substanz 2 C-E eingenommen. Der Drogenrausch war so heftig, dass alle Seminarteilnehmer per Rettungswagen ins Krankenhaus gebracht werden mussten. 160 Sanitäter, Ärzte und andere Helfer waren gefordert. Der Fall löste einen riesengroßen Medienrummel aus. "Heute fragt zum Glück kaum noch jemand danach", sagt Weiland. Froh sei sie auch, dass die unschöne Geschichte für ihr Haus bisher nicht allzu große wirtschaftliche Nachteile gebracht habe. "Natürlich haben nach dem Vorfall Seminargruppen bei mir abgesagt." Aber es hätten in den Wochen nach dem Drogenexzess auch unerwartet neue Gruppen gebucht, sagt sie.

Schlechte Gefühle bleiben

So hat das Leben in der Tanzheimat Inzmühlen langsam zur Normalität zurück gefunden. Bei Stefka Weiland aber kochen immer noch die Emotionen hoch, wenn sie an den Vorfall denkt. "Ich bin immer noch wütend auf die Verursacher." Im Fokus der Ermittler der Stader Staatsanwaltschaft stehen vor allem die Organisatoren des Seminars. Nach Informationen der ARD-Sendung #Beckmann handelt es sich dabei um den Psychologen Stefan S. und die Heilpraktikerin Anja W. Diese beiden und auch zwei Seminarteilnehmer stehen im Verdacht, das Halluzinogen 2 C-E zur Bewusstseinserweiterung an die Seminarteilnehmer verabreicht zu haben. Diese sollen vorher eine Einverständniserklärung unterschrieben haben.

Von Verbindung zu "Kirschblütengemeinschaft" nichts gewusst

Die beiden Seminarleiter sollen direkte Verbindungen zu dem umstrittenen Schweizer Arzt Dr. Samuel Widmer und der sogenannten "Kirschblütengemeinschaft" haben, die bei Kritikern als Sekte gilt. Widmer gilt als Verfechter der Psycholyse. Hierbei werden Substanzen zur Therapie eingesetzt, die das Bewusstsein verändern. Stefka Weiland wusste bis vor viereinhalb Monaten nichts von dieser Verbindung. "Die Seminarleiter haben mein Vertrauen missbraucht", sagt sie. Außerdem hatte der Einsatz der Rettungskräfte auf dem Geländes um das Tagungshaus und im Inneren des alten Fachwerkgebäudes deutliche Schäden hinterlassen. Immerhin: "Die Seminarleiter haben mir die Kosten dafür ersetzt", so Weiland.

Heilpraktiker aus dem Verkehr ziehen

"Ich bin froh, dass die Seminargruppe aufgeflogen ist", sagt Weiland nun, trotz allen Wirbels und aller Anstrengungen, die sie damit gehabt habe. Sie wünscht sich nun, dass neben den Organisatoren des Seminars nun auch die Teilnehmer zur Rechenschaft gezogen werden. Gegen sie ermittelt die Stader Staatsanwaltschaft nicht, da der Konsum von illegalen Drogen nicht strafbar ist.

Zum Schutz weiterer Patienten hofft Weiland dennoch, dass die Namen der Seminarteilnehmer bekannt werden. "Dass die ihren Beruf weiter ausüben dürfen, das ist für mich der ganz große Skandal." Welche Strafe auf die Organisatoren des Seminars und ihre beiden Assistenten zukommt, ob sie ihre Berufszulassung verlieren und den großen Rettungseinsatz bezahlen müssen, bleibt abzuwarten. Auch, ob es überhaupt eine Anklage geben wird. "Das ist noch nicht absehbar" sagt der Sprecher der Stader Staatsanwaltschaft, Kai Thomas Breas. Seiner Einschätzung nach werden die Ermittlungen noch mehrere Wochen dauern.

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