Stand: 08.06.2015 16:20 Uhr

Lüneburger Tierarzt lebt kulturelle Vielfalt

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Daryoush und seine Frau Doris haben sich eine Tierarzt-Praxis in Lüneburg aufgebaut. Auch die 14-jährige Tochter Lilian ist in Tiere vernarrt.

Kulturelle Vielfalt bereichert das Leben. Auf Reisen erleben wir andere Kulturen: Essen, Musik, Kleidung, Religionen und vieles mehr. Für Daryoush Sami war in Deutschland alles fremd, als er 1981 hierher kam, ohne Eltern. Heute ist er Tierarzt mit eigener Praxis in Lüneburg. Als er vor über 30 Jahren nach Deutschland kam, herrschte in seiner Heimat Krieg. Im Jahr 1980 begann der erste Golfkrieg. Iran und Irak kämpften um die Vorherrschaft am Persischen Golf. Die Gefahr war groß, dass der damals 14-Jährige zum Kriegsdienst eingezogen wird.

Sicherheit für den kleinen Daryoush

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Tierarzt Dr. Daryoush Sami ist ein behutsamer Arzt. In seiner Praxis sind alle Tiere willkommen.

Die Eltern wussten: Der einzige Sohn muss sofort flüchten. Die Mutter brachte ihren Schützling illegal über die Grenze nach Pakistan. Ab da war der 14-jährige Daryoush auf sich gestellt. Denn die Mutter bekam kein Visum. Daryoush brauchte keines, da er unter 16 Jahre alt war. Allein flog er nach Deutschland. Es gab keine andere Möglichkeit, dem Krieg zu entkommen. Da in Hamburg seine ältere Schwester lebte, hatte er glücklicherweise eine Anlaufstelle. Daryoush Sami erinnert sich: "Ich konnte nur Persisch und ein bisschen Englisch. Und da bin ich erst auf die Realschule gekommen. Ich musste zusehen, dass ich Deutsch lerne. Das ging dann aber sehr schnell."

Für Sami war in Deutschland alles neu, auch im positiven Sinne: "Das war für mich ein großes Abenteuer", denn nicht nur die Sprache war fremd, auch das Wetter und die Menschen. Sechs Monate später schon kam Daryoush auf das Gymnasium. Sein Ziel? Das Abitur. "Ich hab mir einfach vorgenommen, am Tag 30 bis 40 Vokabeln zu lernen. Und ich hatte kein Problem, auch gebrochen zu reden".

"Ich fühle mich eher deutsch"

Für den deutschen Pass kämpfte er später vor Gericht. Da studierte er schon Tiermedizin in Hannover. Mit seiner deutschen Frau hat er die Praxis für Kleintiere in Lüneburg aufgebaut. Ihre gemeinsame Tochter ist 14 Jahre alt und stolz darauf, Halbperserin zu sein. Daryoush Sami hat viele Freunde und ist sehr kontaktfreudig. Mit seinen Freunden, die aus der Türkei, aus Island und natürlich aus Deutschland kommen, trifft er sich zum Badminton spielen oder zum Kickern.

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Die Praxis in Lüneburg ist Samis zweites Zuhause.

"Ich kenne auch ein, zwei Perser. Aber 95 Prozent meiner Freunde sind Deutsche." Und die lieben es, wenn Daryoush für sie kocht - persisch natürlich. "Für mich ist es wichtig, dass man sich nicht entwurzelt." Deswegen besucht er auch regelmäßig seinen Vater in Teheran. Er verbringt dann ein bis zwei Wochen in seiner alten Heimat. "Dann freue ich mich auch wieder zurückzukommen. Ich gehöre nach Deutschland. Ich hab meine erste Liebe hier erlebt, ich hab eine deutsche Frau, mein Kind ist hier. Ich fühle mich eher deutsch als persisch".  

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