Stand: 13.03.2017 07:50 Uhr

Lösecke-Haus wieder aufgebaut: Mieter ziehen ein

von Ann-Kristin Mennen

Wie beseelt steht Michael von Hartz im neuen Lösecke-Haus und bestaunt das bemalte Treppengeländer, das in das Dachgeschoss des imposanten Fachwerkbaus führt. Abgebildet darauf sind Flammen, die in dunklen Farben und unruhigen Formen die Treppe emporsteigen - nach oben werden die Farbtöne immer heller und bunter - das Bild mündet schließlich in den Strahlen einer Sonne. "A Stairway into the Light" heißt das Kunstwerk, das der Lüneburger Maler Jan Balyon gestaltet hat. "Das soll die Geschichte dieses Hauses symbolisieren - vom Niedergang bis zur Wiederauferstehung", erklärt Michael von Hartz, Eigentümer des Lösecke-Hauses. Als das denkmalgeschützte Gebäude im Dezember 2013 inmitten von Lüneburgs Wasserviertel abbrennt, steht für den Lüneburger eines sofort fest: "Ich wollte dieses Gebäude so originalgetreu wie möglich wiederaufbauen."

Das neue Lösecke-Haus

Lösecke-Haus: Gelungen oder nicht?

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Es ist vollbracht: Die Lücke, die lange Zeit im Ensemble des Lüneburger Stintmarktes klaffte, ist endlich geschlossen. Doch nicht jedem gefällt der Nachbau des Lösecke-Hauses.

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Brandschutzmaßnahmen wurden verschärft

Mehr als drei Jahre später ist es nun so weit: Die Lücke, die so lange am historischen Stint-Markt klaffte, ist geschlossen und das Leben kehrt zurück ins Lösecke-Haus. "Endlich", sagt Alessandra de Flaviis, "endlich können wir in unser Zuhause zurückkehren." In wenigen Tagen schon soll die Trattoria der Familie im Erdgeschoss des Lösecke-Hauses wiedereröffnen. "Die Aufteilung bleibt wie bisher, nur die Einrichtung wird wesentlich moderner", sagt die Gastronomin. Und: "Die Brandschutzmaßnahmen sind natürlich ganz andere - im gesamten Haus aber besonders hier in der Küche." Hier hatten Brandstifter damals das Feuer gelegt und den gefährlichen Großbrand ausgelöst. Mehr als 300 Feuerwehrleute waren damals im Einsatz, die Löscharbeiten vom Wasser aus und in den engen Gassen gestalteten sich schwierig, gerettet werden konnte das Gebäude letztlich nicht.

Ins Lösecke-Haus kehrt das Leben zurück

"Mord verjährt nie"

Auch der oder die Täter konnten bis heute nicht gefasst werden. Und das, obwohl eine Sonderkommission mehrere Monate mit bis zu 20 Beamten in dem mysteriösen Fall ermittelte. Gerüchte kursierten in der Hansestadt, von Rache und Mafia war die Rede, Beweise aber fehlten bis zuletzt. Ein Aufruf bei der Sendung XY...ungelöst sowie eine ausgesetzte Belohnung von 20.000 Euro brachten zwar viele Hinweise, nicht aber den erwünschten Ermittlungserfolg. "Im Moment ruhen unsere Ermittlungen", sagt Kai Richter. Der Sprecher der Polizei in Lüneburg betont aber auch: "Mord verjährt nie." Denn da sich damals zum Zeitpunkt der Brandstiftung 14 Bewohner in dem Haus aufhielten, ermittelt die Polizei nicht nur wegen Brandstiftung sondern auch wegen versuchten Mordes in 14 Fällen.

Originalgetreu, aber eben nicht das Original

Einer der ehemaligen Bewohner ist Thomas Thämlitz. Er konnte sich gemeinsam mit den anderen Mietern rechtzeitig aus dem brennenden Gebäude retten und musste damals mit ansehen, wie sein Zuhause lichterloh in Flammen aufging. Anders als geplant wird der Lüneburger nicht zurück an den Stint ziehen. "Der Charme des Hauses ist verloren gegangen", meint Thämlitz. Zwar sei die Fassade dem Original gut nachgebildet, innen aber sei das Lösecke-Haus in seiner Neuauflage viel zu schick und zu modern geraten. Dass auch keiner der anderen ehemaligen Bewohner zurückkehrt, hat noch anderen einen Grund: durch die aufwändige Rekonstruktion sind die Mieten stark gestiegen Bis zu 10 Euro Kaltmiete pro Quadratmeter nimmt Michael von Hartz: "Damit befinden wir uns aber noch im normalen Lüneburger Mietspiegel", betont der Eigentümer. Von den insgesamt zehn Wohnungen sind bereits acht vermietet.

 

Das neue Lösecke-Haus

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Baukosten liegen bei über 5,8 Millionen Euro

Teurer als vom Eigentümer erwartet sind auch die Baukosten ausgefallen. "Wir hatten ursprünglich mit 3,5 Millionen gerechnet", so von Hartz, "im Moment liegen wir bei 5,8 Millionen." Insbesondere die Fassade habe viel Geld verschlungen. "Wir haben zum Beispiel die Steine eigens für das Haus im historischen Format nachbilden und in Handarbeit anfertigen lassen, damit die Fassade möglichst echt wirkt." Mehrkosten, die die Versicherung nur zum Teil mitträgt. Bund, Land und Stadt Lüneburg haben zwar auch jeweils 100.000 Euro beigesteuert, dennoch bleibt Michael von Hartz eigenen Angaben zufolge auf einem großen Berg Schulden sitzen. Das Geld, die Mühen, die Nerven der letzten Jahre, sagt er, haben sich für ihn dennoch gelohnt: "Wenn ich oben aus dem Dachfenster auf den Lösecke-Graben und den Stint blicke, dann weiß ich, dass ich alles richtig gemacht habe."

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Hallo Niedersachsen | 13.03.2017 | 19:30 Uhr