Stand: 19.02.2016 19:40 Uhr

Jägerschaft will "Problemwolf" nicht abschießen

Langsam könnte es richtig ungemütlich werden für einen Wolf, der im Raum Munster seine Heimat gefunden hat. Denn auch der Naturschutzbund (Nabu) spricht sich nun für "kontrollierte Maßnahmen" im Hinblick auf dieses Tier aus. Der Wolf soll sich wiederholt Menschen bis auf wenige Meter genähert haben. "Sollten sich die geschilderten Ereignisse tatsächlich so zugetragen haben, sind aus Nabu-Sicht die Kriterien für eine Vergrämung des Tieres erfüllt", heißt es in einer Mitteilung des Bundes. Vergrämung bedeutet, den Wolf zum Beispiel mit Gummigeschossen oder anderen, nicht tödlichen Projektilen zu vertreiben. Niedersachsens Umweltminister Stefan Wenzel (Grüne) hatte sich am Donnerstag für eine mögliche Entnahme des Tieres ausgesprochen.

Kein Angriff auf Menschen in 15 Jahren

Soweit geht der Nabu dann doch noch nicht. Der "strenge Artenschutz des Wolfes" dürfe "nicht aus den Augen verloren werden", sagte Bundesgeschäftsführer Leif Miller. Immerhin habe es keinen Angriff von Wölfen auf Menschen gegeben, seit die Raubtiere nach Deutschland zurückgekehrt sind. Deshalb fordert der Nabu eine "Einzelfallüberprüfung durch qualifizierte Experten" sowie die "eindeutige Identifizierung des Tieres". Der Nabu will nach eigenen Angaben die Maßnahmen, die gegen den Wolf ergriffen werden, auf artenschutzrechtliche Gültigkeit prüfen - "um zu gewährleisten, dass alles Mögliche getan wurde, um den Wolf am Leben zu lassen", hieß es weiter.

Jäger wollen Wolf nicht töten

Unterdessen haben sich auch Niedersachsens Jäger zu Wort gemeldet - mit einer durchaus überraschenden Aussage. Sollte der sogenannte Problemwolf zum Abschuss freigegeben werden, steht Niedersachsens Landesjägerschaft nämlich nicht bereit, um das Tier zu erschießen. Das sagte der Vorsitzende der Landesjägerschaft Niedersachsen, Helmut Dammann-Tamke, Niedersachsen 18.00 im NDR Fernsehen. "Der Wolf unterliegt nicht dem Jagdrecht, sondern dem Naturschutzrecht", so Dammann-Tamke. "Solange der Wolf nicht im Jagdrecht ist, haben die Jäger überhaupt keine Zuständigkeit und wir werden uns auch nicht in diese gesellschaftliche Auseinandersetzung ohne große Not hineinbegeben."

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