Stand: 16.02.2016 15:56 Uhr

"Man kann die Überfälle quasi kommen sehen"

von Andreas Rabe
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Am Montagabend überfällt ein Mann mit Waffe die Tankstelle an der Veerßer Straße in Uelzen.

"Die Stimmung unter den Tankstellenbetreibern in Uelzen ist angespannt", sagt Mirko Redeker. Am Montagabend kommt ein Mann in seine Tankstelle an der Veerßer Straße. Er hat eine Skimaske auf und hält der Angestellten an der Kasse eine Pistole entgegen. Beute: rund 800 Euro. "Man konnte die Überfälle ja quasi kommen sehen", sagt Redeker. Der Pächter mehrerer Aral-Tankstellen in der Region ist nicht das erste Mal betroffen. In Lüneburg wurden in den vergangenen Wochen insgesamt acht Tankstellen überfallen. Eine davon wird ebenfalls von ihm betrieben.

Drei Überfälle an vier Tagen

In Uelzen wird die erste Tankstelle am Freitagabend überfallen. Ein Angestellter kann den Räuber mit einem Besen verjagen. Aber ab sofort beschleicht viele andere Betreiber in der Stadt schon die Angst, dass es nun nach Lüneburg auch bei ihnen losgeht. Und tatsächlich, am Sonnabend schlägt ein Täter im Nachbarort Bad Bodenteich zu. In den Tankstellen von Mirko Redeker ist es den Angestellten zu diesem Zeitpunkt bereits freigestellt, wann sie die Schiebetür schließen und den Nachtschalter öffnen. Normalerweise gehen seine Tankstellen erst gegen 23 Uhr in den Nachtbetrieb - in den vergangenen Tagen schon zwischen 20 und 21 Uhr. Aber auch das scheint noch zu spät zu sein.

Täter ist immer maskiert und bewaffnet

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An dieser Tankstelle in Uelzen, hat ein Mitarbeiter einen Räuber mit dem Besen vertrieben.

Die überfallene Angestellte hat ihrem Chef beschrieben, dass es ab 19.20 Uhr - zehn Minuten vor dem Überfall - sehr ruhig war. Redeker geht deshalb davon aus, dass der Täter die Tankstelle beobachtet und die Gelegenheit ausgenutzt hat. Von einer Serie in Uelzen will die Polizei nicht sprechen, zu viele Indizien - Bewaffnung, Kleidung, Maskierung und Körpergröße - unterscheiden sich. Bei den acht Überfällen in Lüneburg lassen sich allerdings Parallelen erkennen, so ein Sprecher. Und in allen Fällen seien der oder die Täter maskiert und mit einer Schusswaffe in die Tankstelle gekommen. Die Polizei ermittele demnach in alle Richtungen. Hinweise zu den Überfällen oder zu flüchtigen Tätern können unter der Telefonnummer (05 81) 93 00 gemeldet werden.

Nachtschalter soll Angestellte schützen

Gut möglich, dass die Uelzener Tankstellen von Trittbrettfahrern heimgesucht wurden. Das zumindest vermutet Mirko Redeker. Seiner Angestellten gehe es den Umständen entsprechend gut, sagt er. Das Unternehmen bietet nach Aussage eines Sprechers allen betroffenen Mitarbeitern eine psychologische Betreuung an. In Zukunft sollen die Angestellten noch aufmerksamer sein, wenn der Feierabendbetrieb an den Tankstellen nachlässt. Die meisten Tankstellen sind jetzt schon rundum Video überwacht. "Wir wollen uns nicht einbunkern", sagt Redeker. "Aber der Schutz der Angestellten geht vor." Kunden müssen deshalb vielleicht an einigen Tankstellen in der Region für die nächste Zeit schon kurz nach der Dämmerung am Nachtschalter bezahlen.

Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Niedersachsen | Regional Lüneburg | 16.02.2016 | 08:30 Uhr