Stand: 23.11.2017 11:26 Uhr

Hexenverfolgungen und ihr schwieriges Erbe

von Ole Lerch
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Drei Bronzetafeln erinnern in Buxtehude an die Opfer der Hexenverfolgung.

Rund 60.000 Menschen, vor allem Frauen, wurden während der Hexenverfolgungen der Frühen Neuzeit in Europa unschuldig eingesperrt, gefoltert und hingerichtet. 25.000 waren es Schätzungen zufolge in Deutschland, viele davon im Gebiet des heutigen Niedersachsen. In Buxtehude erinnert seit dieser Woche ein Mahnmal an die Opfer der Hexenprozesse. 21 Frauen waren hier zwischen 1540 und 1644 der Hexerei oder Zauberei angeklagt worden. 15 von ihnen wurden nach grausamer Folter hingerichtet, die meisten verbrannt. Ihnen ist das von Bildhauer Michael Jalowczarz gestaltete Mahnmal gewidmet.

Eine Häuserfassade.

Diskussion über Hexen-Mahnmal in Rinteln

Hallo Niedersachsen -

42 Menschen wurden im niedersächsischen Rinteln als Hexen verfolgt und hingerichtet. Nun wird hier darum gestritten, wie an diese Geschichte erinnert werden sollte.

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Gedenken in niedersächsischen Städten

Buxtehude ist nicht der erste Ort, der sich in Niedersachsen öffentlich mit den Opfern dieser dunklen Epoche auseinandersetzt. Das Kloster Loccum bei Nienburg ließ 2015 eine Gedenktafel mit den Namen von 29 Frauen und Männern anbringen, die hier im 16. und 17. Jahrhundert hingerichtet wurden. Auch in Verden, Peine und Wolfenbüttel wird mit Gedenktafeln oder Mahnmalen im Stadtbild öffentlich an die Hexenverfolgungen erinnert. In Osnabrück, zu Beginn der Frühen Neuzeit eine Hochburg der Hexenverfolgungen, wurden vor fünf Jahren 250 Männer und Frauen, die dort als Hexen verurteilt und umgebracht wurden, vom Rat der Stadt per Beschluss rehabilitiert.

Rinteln tut sich mit Aufarbeitung schwer

Doch es gibt auch Orte, die sich mit der Frage nach dem angemessenen Umgang mit dieser dunklen Epoche der Geschichte schwertun. In Rinteln beispielsweise wird seit Jahren über das Für und Wider eines Mahnmals für die Opfer des Hexenwahns diskutiert. Die Stadt spielte im Nordwesten des damaligen Reiches eine besondere Rolle bei der Hexenverfolgung.

Intensität der Verfolgung regional unterschiedlich

Dr. Nicolas Rügge ist Historiker im Niedersächsischen Landesarchiv. Er hat ein Buch über die Hexenverfolgungen in Osnabrück geschrieben. Im Zuge seiner Recherchen schaute er auch über Osnabrück hinaus auf das Gebiet des heutigen Niedersachsen, wo Ausmaß und Intensität der Hexenverfolgung vom jeweiligen Ort abhingen - wie im Rest des Reiches. Hochburgen waren laut Rügge die Regionen, die in engem Kontakt mit Westfalen standen, welches reichsweit eines der Zentren der Verfolgung war. "Vor allem Gebiete, die damals noch zu Westfalen gezählt wurden, wie die Stadt Osnabrück oder die Grafschaft Schaumburg oder andere, kleinere Gebiete, die in engem Austausch mit Westfalen standen, gehörten dazu", so Rügge. "Die lutherischen Städte tauschten sich sehr intensiv aus, teilweise waren Bürgermeister oder Ratsfamilien eng befreundet oder sogar miteinander verwandt. Und da kann man davon ausgehen, dass das Thema Hexenverfolgungen kein Dienstgeheimnis blieb."

Hat der Herrscher Angst vor Zauberei?

Im übrigen Gebiet des heutigen Niedersachsen hing die Entscheidung, Menschen als Hexen zu verfolgen, zu foltern und hinzurichten, sehr von der jeweils herrschenden Persönlichkeit und deren Einstellung ab. "Für Hannover ist es vor allem Erich der Zweite im 16. Jahrhundert gewesen, der sich sehr stark von Hexerei bedroht fühlte und sogar seine Frau verdächtigte, ihn verzaubert zu haben", berichtet Rügge. "Und zu Beginn des 17. Jahrhunderts hat Herzog August zunächst als Herrscher in Dannenberg-Elbe viele Hexenprozesse geführt und später in Wolfenbüttel. Nach ihm ist dort die heutige Bibliothek benannt." Zudem gab es im Elbe-Weser-Raum, in den Herzogtümern Bremen und Verden, in Teilen Ostfrieslands und in kleineren Orten wie dem Kloster Loccum oder dem Amt Auburg in der Grafschaft Diepholz eine Vielzahl von Hinrichtungen.

Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Niedersachsen | Regional Lüneburg | 23.11.2017 | 06:30 Uhr

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