Stand: 08.01.2016 15:27 Uhr

Geiseln sagen im Bankraub-Prozess aus

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Am Landgericht Lüneburg sind zwölf Verhandlungstermine angesetzt.

Im Prozess gegen zwei mutmaßliche Bankräuber vor dem Landgericht Lüneburg hat es zum Prozessauftakt am Freitag noch keine Geständnisse gegeben. Der 34-jährige Angeklagte ließ über seinen Anwalt verkünden, dass er am nächsten Prozesstag ein Geständnis ablegen werde. Zusammen mit dem mitangeklagten 54-Jährigen und zwei weiteren Komplizen soll er am 22. Januar 2013 eine Bank in Amelinghausen (Landkreis Lüneburg) überfallen, Geiseln genommen und 434.415 Euro erbeutet haben. Drei der Geiseln wurden am ersten Prozesstag als Zeugen vernommen. "Die Männer haben mich auf den Boden geworfen und mir eine Pistole an den Kopf gehalten", sagte eine der Frauen. "Wir hatten ganz schön Angst."

Bankangestellte zum Öffnen des Tresors gezwungen

Laut Anklage drangen die maskierten Bankräuber über ein Kellerfenster in das Bankgebäude ein, legten eine echt aussehende Schusswaffe auf einen Tisch, fesselten drei Bankangestellte, die zur Arbeit erschienen, und klebten ihnen die Münder mit Klebeband zu. Eine vierte Angestellte, die den Code zum Tresor kannte, soll den Bankräubern den Geldschrank geöffnet haben. Mit der Beute konnten sie im Auto einer Bankangestellten fliehen. Trotz einer Großfahndung samt Hubschraubereinsatz gelang es der Polizei nicht, die Bankräuber zu fassen.

Komplizen und Geld sind verschwunden

Die Staatsanwaltschaft wirft den beiden Angeklagten räuberische Erpressung und erpresserischen Menschenraub vor. Außerdem wird den beiden Männern eine weitere Tat zur Last gelegt: Sie sollen mit mindestens einem weiteren Komplizen am Morgen des 15. Juli 2014 in eine Sparkasse in Bohmte-Hunteburg (Landkreis Osnabrück) eingedrungen sein, um wertvolle Gegenstände zu entwenden. Ohne Beute sollen sie das Gebäude dann wieder verlassen haben. Die Ermittler stellten an beiden Tatorten DNA-Spuren sicher. Darüber konnten die beiden Männer identifiziert werden. Der 34-Jährige wurde im Juli 2015 in Polen gefasst, der 54-Jährige bereits im September 2013 bei einem Einsatz in Hamburg. Von den beiden Komplizen des Überfalls in Amelinghausen und dem Geld fehlt jede Spur.

54-Jährigem droht Sicherungsverwahrung

Im Fall einer Verurteilung droht den Angeklagten eine Freiheitsstrafe von mindestens fünf Jahren. Der Ältere könnte zudem in Sicherungsverwahrung kommen, da er unter anderem bereits wegen eines ähnlichen Überfalls vorbestraft ist. Das Gericht habe ein Sachverständigen-Gutachten in Auftrag gegeben, um eine Sicherungsverwahrung zu prüfen, sagte ein Gerichtssprecher. Bis zum 30. März sind am Landgericht Lüneburg insgesamt zwölf Verhandlungstermine angesetzt. Der nächste Prozesstag ist am 21. Januar.

Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Niedersachsen | Regional Lüneburg | 08.01.2016 | 07:30 Uhr