Stand: 05.05.2017 21:32 Uhr

ExxonMobil bezweifelt Schlüsse aus Bothel-Gutachten

Die Erdgas- und Erdölfirma ExxonMobil bestreitet, dass die erhöhten Krebsraten in der Samtgemeinde Bothel mit Bohrschlammgruben in Verbindung stehen könnten. Der Landkreis Rotenburg hatte in der vergangenen Woche ein Gutachten vorgestellt und drei derartige Gruben als einen möglichen Grund für die Erkrankungen genannt. ExxonMobil hat das in einer Mitteilung vom Freitag zurückgewiesen. "Zwei dieser drei Gruben sind keine Bohrschlammgruben, sondern solche, die in der Verantwortung der jeweiligen Gemeinde betrieben worden sind", sagte Harald Kassner, technischer Berater der ExxonMobil Geschäftsführung. "Sie enthalten beispielsweise Haus-, Sperrmüll, Altreifen oder Bauschutt."

ExxonMobil bemängelt Schlussfolgerungen

Bohrschlammgruben beinhalten Rückstände aus Grabungen der Erdgasindustrie. Eine Bohrschlammgrube gebe es zwar tatsächlich, so Kassner. Doch für sie trage ExxonMobil keine Verantwortung. Ein Vorgängerunternehmen habe in eine der Gemeindegruben 1967 Schüttgut und Tonspülung aus einer Bohrung eingebracht, bei der aber keine Gas- oder Ölvorkommen entdeckt worden waren. Kohlenwasserstoffe - die Bestandteile der beiden Rohstoffe - seien damit als Ursache für die Krebsfälle "in keiner Weise nachvollziehbar". Die Schlussfolgerung aus dem Gutachten sei "nicht haltbar" und die Empfehlung für eine weitergehende Studie entbehre "jeder Grundlage".

Umfrage erbringt Hinweise auf Gruben

In der Samtgemeinde Bothel zwischen Bremen und Lüneburg erkrankten im Zeitraum von 2003 bis 2012 überdurchschnittlich viele Männer an Leukämie und Lymphomen. Das belegt eine Untersuchung des niedersächsischen Krebsregisters. Was die Ursache für diese Häufung ist - darauf gibt es bis heute keine Antwort. Am vergangenen Donnerstag teilte der Landkreis Rotenburg mit, dass eine Ende 2014 gestartete Umfrage Hinweise auf einen Zusammenhang mit den Gruben in der Nähe der Wohnorte der Erkrankten ergeben hätte.

37 Fälle - und ausschließlich Männer

Der Landkreis hatte im November 2014 alle knapp 7.000 Einwohner von Bothel angeschrieben und zu Krebserkrankungen befragt. Dabei wurden bei den Männern 37 Fälle von Krebserkrankungen mit Hilfe des niedersächsischen Landesgesundheitsamtes analysiert. Die räumliche Nähe des Wohnortes zu Bohrschlammgruben habe bei diesen Fällen einen Anhaltspunkt für einen möglichen Zusammenhang gegeben, hieß es von der Verwaltung. Acht der Männer waren zudem lange in der holzverarbeitenden Industrie tätig. Andere Gemeinsamkeiten gab es nicht.

Weitere Untersuchungen geplant

Weitere Untersuchungen sollen folgen. "Dabei wäre auch eine deutliche Ausweitung des Untersuchungsgebietes auf im Idealfall alle Regionen mit Bohrschlammgruben zu diskutieren", hieß es vom Landkreis. Zum jetzigen Zeitpunkt seien mögliche auslösende Faktoren ebenso unklar wie ein eventueller Wirkungsweg - etwa über das Wasser oder die Luft. Zudem müsse geklärt werden, warum die Erhöhung der Krebsrate sich auf Männer beschränke.

Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Niedersachsen | Regional Lüneburg | 27.04.2017 | 17:00 Uhr

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