Stand: 06.05.2014 14:57 Uhr

Erdgas-Industrie schlampt bei Sicherheit

An der durch einen möglichen Säure-Unfallin die Schlagzeilen geratenen Erdgasförderanlage "Söhlingen Z5" hat es nach Recherchen von Panorama 3 eine Sicherheitspanne gegeben. Das Eingangstor war bei Dreharbeiten Mitte April nicht verschlossen. Mitarbeiter der Betreiberfirma "Exxon Mobil" befanden sich zu dieser Zeit nicht auf dem Gelände, sodass die Gasförderanlage nicht überwacht war. Schon Anfang April hatte Panorama 3 über eine nicht abgeschlossene Tür an einem Kavernenplatz im niedersächsischen Etzel berichtet.

Die Tiefbohrverordnung schreibt vor, dass sichergestellt werden muss, dass Unbefugte das Gelände nicht betreten können, wenn sich auf diesen Plätzen keine Arbeiter befinden. Der niedersächsische Wirtschaftsminister Olaf Lies (SPD) hatte sich anlässlich dieser Sicherheitspanne empört gezeigt. Aus der Verordnung gehe hervor, dass diese Plätze gesichert werden müssten. Der Verstoß werde geahndet, sagte der Minister. In einer Pressemeldung teilte das Wirtschaftsministerium anschließend mit, dass dem Kavernenunternehmen, der IVG Caverns, ein Ordnungsgeld in Höhe von bis zu 25.000 Euro drohe.

Ungesichertes Tor

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Problemlos kann man das nicht gesicherte Schiebetor in Söhlingen öffnen."Exxon Mobil" fördert hier Erdgas.

Nur drei Tage nach dieser Berichterstattung fiel einem NDR Team das nicht gesicherte Tor in Söhlingen auf. Hier fördert "Exxon Mobil" Erdgas. Auch in diesem Fall befand sich kein Mitarbeiter auf dem umzäunten Gelände und trotzdem ließ sich ein etwa sechs Meter langes Schiebetor öffnen. Die zuständige Aufsichtsbehörde, das Landesamt für Bergbau, Energie und Geologie, teilte mit, dass ein Ordnungswidrigkeitsverfahren eingeleitet worden sei und dem verantwortlichen Mitarbeiter auch in diesem Fall ein Bußgeld von bis zu 25.000 Euro drohe. "Für mich ist es überraschend, dass solch elementare Vorschriften einer behördlichen Kontrolle bedürfen", sagte Rochus Rieche von Landesamt. Es bestehe die Gefahr, dass Unbefugte in der Lage seien, Armaturen zu öffnen, aus denen sofort Gas oder Öl ausströmen könnte. "Das sollte so nicht sein."

Die Behörde reagierte auf diesen erneuten Vorfall außerdem mit einem Rundschreiben. Darin werden die Erdöl- und Erdgasfirmen aufgefordert, ihre Betriebsplätze ordnungsgemäß zu sichern. Auf dem Betriebsplatz "Söhlingen Z5" werden nach Informationen von Panorama 3 auch quecksilberhaltige Abfälle in blauen Tonnen aufbewahrt. Tonnen mit diesem Inhalt offen auf den Betriebsplätzen stehen zu lassen, hält die Aufsichtsbehörde für nicht geeignet. Quecksilber müsse wie ein giftiger Stoff aufbewahrt werden, also unter einem Dach mit einem extra Zaun.

"Säurewaschung" auf dem Betriebsplatz Söhlingen

"Säurewaschung" - Animation

Panorama 3

3,8 Kubikmeter Salzsäure werden in die Erde gepumpt, um den Kalk im Untergrund zu lösen. Anschließend wird Schaum hinzugefügt und das Gemisch wieder hoch gefördert. Das aus dem Untergrund strömende Gas kann während dieser Arbeiten nicht ins Leitungsnetz einspeist werden und wird daher in der Flamme verbrannt.

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"Widerrechtlich von unbekannten Dritten geöffnet"

"Exxon Mobil" teilte dem NDR mit, es handele sich um verschmutzte Handschuhe und Putzlappen, an denen gegebenfalls vereinzelt Spuren von Quecksilber haften können. Das Landesamt für Bergbau, Energie und Geologie will diesen Angaben nachgehen und herausfinden, wie auf den Betriebsplätzen insgesamt mit quecksilberhaltigen Abfällen umgegangen wird. Zu dem nicht ordnungsgemäß gesicherten Tor teilte "Exxon Mobil" schriftlich mit: "Das Tor wurde (...) von uns verschlossen. Es ist daher anzunehmen, dass das Tor widerrechtlich von unbekannten Dritten geöffnet wurde."

Während der Dreharbeiten wurde die Polizei über das nicht gesicherte Tor informiert. Was der Energiekonzern unter dem Verschließen eines Tores zu verstehen scheint, zeigte sich, als ein Mitarbeiter von "Exxon Mobil" das Tor unter der Aufsicht der Polizei wieder verschloss: Er steckte lediglich einen Bolzen in eine Vorrichtung; dieser Bolzen lässt sich jedoch leicht von außerhalb der Anlage stehenden Personen entfernen. Der anwesende Polizist forderte den Mitarbeiter deshalb auf, das Tor zusätzlich mit einer Kette und einem Vorhängeschloss zu sichern.