Stand: 14.11.2017 18:33 Uhr

Einbrecher geortet – Polizei reagiert nicht

von Andreas Rabe
Die Familie konnte das geklaute Tablet orten - die Polizei reagierte daraufhin aber nicht. (Themenbild)

Familienvater Jens Weiß (Name geändert) hat fast den Glauben an die Polizei verloren. Als er mit seiner Frau und seinem dreijährigen Sohn vor einigen Tagen abends nach Hause kommt, trauen sie ihren Augen nicht. Auf dem Fußboden liegen verstreute Gegenstände, Schubladen sind aufgerissen. Ein Albtraum wird wahr: Die Familie ist ausgeraubt worden. Schmuck weg, Bargeld weg und auch den Arbeitsrucksack von Weiß haben die Diebe mitgenommen. Was die Einbrecher aber wohl übersehen haben: Das Tablet im Rucksack ist angeschaltet, Familie Weiß kann mit der Ortungsfunktion über ein Handy verfolgen, wo die Diebe hinfahren.

Polizei schickt Streifenwagen in falsche Richtung

Über die Autobahn 7 bewegt sich das Signal Richtung Hamburg. Sofort greift der Familienvater zum Telefon. Den ersten Notruf hatte er zu diesem Zeitpunkt schon abgesetzt. Als er erkennt, dass er sein Tablet orten kann, will er den Beamten unter 110 sagen, wo sich die Einbrecher befinden. In der Leitstelle sagt ihm ein Polizist, er solle sich beruhigen und auf die Kollegen warten, die im Streifenwagen unterwegs zu ihm nach Hause seien. Als die Polizisten am Haus ankommen, sendet das Tablet sein Signal aus dem Hamburger Stadtteil Wilhelmsburg. Die Beamten in der Leitstelle befinden: Zu dicht besiedeltes Gebiet, um da einen schnellen Erfolg zu erzielen.

Tablet wandert von Lagerhalle in Wohnhaus

Etwas später erlischt das Signal. Wahrscheinlich bemerken die Täter zu diesem Zeitpunkt, dass sie ein eingeschaltetes Tablet mitgenommen haben. Zwei Tage später bemerkt Weiß, dass sein Tablet erneut sendet. Nach seiner Interpretation wird das Gerät von einer Lagerhalle in ein Mehrfamilienhaus getragen. Er war mittlerweile vor Ort und hat sich angeguckt, wohin seine Habseligkeiten wahrscheinlich verschwunden sind. In eine Gegend mit vielen hohen Häusern. Genau das sei der Grund, weshalb die Polizei nicht reagieren konnte, sagte ein Sprecher dem NDR. Solch eine Anzahl von Wohnungen durchsuchen zu lassen, sei rechtlich kaum durchsetzbar.

Ein vermummter Einbrecher hinter einer Glastür. © Imago Fotograf: Kickner

Einbruch in Brackel wird zum politischen Thema

NDR 1 Niedersachsen - Regional Lüneburg -

Der Landkreis Harburg ist berüchtigt für die vielen Einbrüche. Nach dem unglücklichen Fall, dass die Polizei eine heiße Spur nicht verfolgt hat, soll sich nun etwas ändern.

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Polizei wollte zunächst Tatort sichern

Dennoch tue es den Beamten in der Leitstelle sehr Leid, wie das ganze gelaufen ist, so der Polizeisprecher. Die Familie habe mit ihrem Anruf alles richtig gemacht. Leider habe der Familienvater aber am Telefon nicht erwähnt, dass sich das geortete Signal in Richtung Hamburg bewegt. Deshalb hätten die Beamten es für wichtiger gehalten, zunächst den Tatort – das Haus der Familie – zu sichern.

Fall wird zum Politikum

Der Druck auf die Polizei war in den vergangenen Tagen gewachsen, nachdem die Familie den Fall über das Hamburger Abendblatt öffentlich gemacht hatte. Und nun wird der Vorfall auch zum Politikum. Der parlamentarische Geschäftsführer der CDU/CSU im Bundestag, Michael Grosse-Brömer, wohnt ebenfalls in Brackel. Er hat von dem Fall erfahren und will sich nun dafür stark machen, dass die Koalitionäre im Landtag das Thema aufgreifen. Nach der Meinung Grosse-Brömers sollte die Kommunikation der Behörden zwischen Niedersachsen und Hamburg verbessert werden. Außerdem brauche der Landkreis Harburg wegen der vielen Einbrüche dringend mehr Polizisten. Zwei Forderungen, die auf Landesebene entschieden werden müssten. Deshalb will er von Berlin aus nun ein paar Anrufe in Hannover machen. Ein kleiner Trost für Familie Weiß. Es müsse sich etwas ändern, sagt der ausgeraubte Familienvater. Das sei das wichtigste. Die Hoffnung darauf, dass die Familie ihre Wertsachen wiederbekommt, wird derweil jeden Tag ein bisschen geringer.

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Dieses Thema im Programm:

Regional Lüneburg | 14.11.2017 | 17:00 Uhr

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