Stand: 01.07.2015 13:49 Uhr

Auschwitz-Prozess: Gröning bittet nicht um Vergebung

Der Auschwitz-Prozess vor dem Landgericht Lüneburg ist am Vormittag mit einer zweiten Äußerung des Angeklagten Oskar Gröning fortgesetzt worden. Durch seine Tätigkeit habe das System Auschwitz funktionieren können, erklärte der 94-Jährige in einer schriftlichen Erklärung, die sein Verteidiger verlas. Sein anerzogener Gehorsam habe verhindert, dass er gegen das Morden rebelliert habe. Nach heutigen Maßstäben sei dies nicht zu fassen. Um Vergebung habe er die Opfer vor Gericht bewusst nicht gebeten. Angesichts der Dimension des Leids stehe ihm dies nicht zu. "Um Vergebung kann ich nur meinen Herrgott bitten", ließ Gröning seinen Anwalt verlesen. Wohl aber bat er um Entschuldigung für den SS-Jargon, den er zu Prozessbeginn teilweise verwendet hatte. Wie sehr dies die Opfer verletze, sei ihm nicht bewusst gewesen, und das Vokabular von damals gebe nicht seine heutige Auffassung wieder.Gröning wird Beihilfe zum Mord in mindestens 300.000 Fällen im Konzentrations- und Vernichtungslager Auschwitz vorgeworfen. Zu Prozessbeginn hatte Gröning sich zu einer moralischen Schuld bekannt, als Täter im strafrechtlichen Sinne sah er sich damals jedoch nicht.

Die Überlebende bedankt sich beim Gericht

Im Anschluss an Grönings Ausführungen hat die Überlebende Irene Weiss ausgesagt. Die 84-Jährige war zum zweiten Mal angereist, weil ihre erste Aussage vor einigen Wochen wegen einer Erkrankung Grönings nicht stattfinden konnte. Nachdem sich Weiss beim Gericht für die Möglichkeit bedankt hatte, auszusagen, erzählte sie ihre Lebensgeschichte - von ihrer Familie, die aus Ungarn stammte, von der Rampe in Auschwitz, davon, dass von der achtköpfigen Familie nur zwei - sie selbst und ihre drei Jahre ältere Schwester - überlebt haben.

Noch Fragen an Gröning

Am Donnerstag soll die Verhandlung fortgesetzt werden. Dann wird sich Oskar Gröning noch Fragen stellen müssen, die sich dem Richter und der Nebenklage nach den Ausführungen Grönings ergeben haben. Das Urteil fällt nach derzeitigen Planungen Ende Juli.

Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Niedersachsen | Regional Lüneburg | 01.07.2015 | 11:00 Uhr