Stand: 13.01.2015 12:49 Uhr

Auge in Auge - Gegenüberstellung in Wolfs Revier

von Ulrike Brandt und Ulrike Kressel

Etwa 50 Wölfe leben mittlerweile in Niedersachsen - im Jahr 2012 wurde in Munster im Heidekreis das erste Wolfsrudel in Niedersachsen nachgewiesen. Seitdem breitet sich der Wolf immer weiter aus und erobert immer größere Teile von Niedersachsen. Aber kaum jemand hat dieses scheue Raubtier schon einmal in freier Wildbahn beobachten können. Und so traute Robert de Mol, 26 Jahre alt und Forstinspektor-Anwärter, seinen Augen kaum, als er jetzt gleich acht Wölfe auf einmal zu sehen bekam.

Acht auf einen Streich - Wölfe in Rufweite

"Im ersten Moment nur an ein Belegfoto gedacht"

Der junge Forstmann war auf der B 71 bei Lintzel im Heidekreis auf dem Weg ins Revier, als ein Wolf nach dem anderen die Straße querte. "Das erste Bild habe ich nur schnell aus dem Auto gemacht, um überhaupt beweisen zu können, dass ich die Wölfe tatsächlich gesehen habe", sagt de Mol. Seine Kamera liegt immer griffbereit auf dem Beifahrersitz. Dann beschließt de Mol auszusteigen, fotografiert die Wölfe beim Überqueren der Straße und macht vorbeifahrende Autofahrer auf die Wölfe aufmerksam. "Nicht, dass noch etwas passiert", so der Gedanke des jungen Försters.

Auf 80 Meter am Wolfsrudel 

"Ich war aufgeregt, weil das ja keine so alltägliche  Begegnung ist", erzählt de Mol. Angst hatte er nicht, betont er. "Die Wölfe haben mich neugierig beäugt", erzählt de Mol. Nur etwa 80 Meter trennten ihn und die Wölfe. "Die Wölfe haben immer die Distanz eingehalten, um dann irgendwann einfach weiterzuziehen." Insgesamt hat de Mol die Tiere ungefähr 20 Minuten beobachten können - und sie ihn. Und das Phänomenale, so de Mol, gerade einmal ein paar Tage später trifft er wieder auf die Wölfe. Und wieder hatte er Zeit genug, die Tiere zu filmen und zu  fotografieren. Fast am gleichen Ort, fast zur gleichen Zeit. Bei der zweiten Begegnung allerdings nur vier der großen Raubtiere.

Wertvolles Material für das Wolfsmonitoring

Revierförster Volker Einhorn vom Forstamt Oerrel ist der Chef von de Mol. Er kann die Wölfe zuordnen und ist sich sicher, dass es Tiere des Munsteraner Rudels sind. Bei der ersten Begegnung erkennt er die beiden Elterntiere und sechs Welpen aus dem vergangenen Jahr - bei der zweiten Begegnung die Elterntiere mit nur zwei der Jungwölfe. "Das Bildmaterial ist so ausgezeichnet", schwärmt er, "dass einzelne Individuen mit ihren individuellen Farbzeichnungen erkannt und somit später wieder identifiziert werden können." Das wiederum könne helfen, herauszubekommen, wie die Tiere in der Region wandern, wo sie hinziehen und wo sie ihre Territorien haben, erklärt Einhorn.

Der Revierförster  betont, dass seit sieben Jahren die Menschen in der Region mit dem Wolf leben würden, und es noch zu keinem Zwischenfall mit Menschen gekommen sei. Er rät jedem, der die Chance hat Wölfe so beobachten zu können, es zu genießen. "Wer Angst hat, sollte laut auf sich aufmerksam machen. Dann werden die Wölfe so schnell verschwinden, wie sie gekommen sind", sagt er.

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