Stand: 07.03.2016 16:19 Uhr

Atomkraft-Gegnerin Fritzen stirbt mit 91 Jahren

Ihr Leben widmete sie dem Kampf gegen die Atomkraft. Die Wendländerin Marianne Fritzen war Mitbegründerin und jahrelang auch Vorsitzende der Bürgerinitiative (BI) Umweltschutz Lüchow-Dannenberg. In der Nacht zu Montag ist Fritzen im Alter von 91 Jahren in ihrem Wohnort Kolborn gestorben, wie die BI mitteilte.

Marianne Fritzen © NDR

Wendland-Veteranin Marianne Fritzen

DAS! -

Vor 35 Jahren gründeten rund 5.000 Atomkraftgegner im Niedersächsischen Lüchow Dannenberg die freie Republik Wendland. Die 91-jährige Marianne Fritzen war von Anfang an dabei.

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Trauer um "große Frau" und "Mutter des Widerstands"

Die grüne Europaabgeordnete Rebecca Harms würdigte Fritzen als "die große Frau mit politischem Weitblick und Instinkt in der Anti-Atom-Bewegung". Sie habe dieser Bewegung immer wieder Orientierung gegeben. Der grüne Bundestagsabgeordnete Jürgen Trittin bezeichnete sie via Twitter als "Mutter des Widerstands im Wendland". Eine Bezeichnung, die Fritzen selbst überhaupt nicht mochte, wie es vonseiten der Bürgerinitiative hieß. BI-Sprecher Martin Donat sagte dem NDR: "Sie war eine von uns und sie war die Erste. Wir sind sehr traurig."

Fritzen hatte sich von Grünen abgewendet

1973 beteiligte sich Fritzen an der Gründung der Bürgerinitiative, bis 1982 war sie deren Vorsitzende. Ende der 1970er-Jahre gehörte die Umweltaktivistin zu den Mitbegründern der Grünen Liste Umweltschutz in Niedersachen, einer Vorläuferorganisation der Grünen. Für die Partei engagierte sie sich parallel zu ihrer Tätigkeit in der Bürgerinitiative als Kommunalpolitikerin. Im Jahr 2000 brach Fritzen mit den Grünen und verließ die Partei aus Protest gegen den Atomkonsens, den die damalige rot-grüne Bundesregierung mit den Kraftwerksbetreibern ausgehandelt hatte. Bis zum Schluss war sie der Ansicht, dass es in Gorleben niemals ein atomares Endlager geben darf.

Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Niedersachsen | Regional Lüneburg | 07.03.2016 | 15:00 Uhr

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