Stand: 04.01.2017 12:36 Uhr

Abgeknicktes Windrad: Gutachter sucht Ursache

Nachdem am Dienstagmorgen ein 94 Meter hohes Windrad in einer Windkraftanlage in Neu Wulmstorf (Landkreis Harburg) umgeknickt ist, hat am Mittwoch ein Gutachter die Unfallstelle geprüft. Das sagte ein Sprecher der Hamburger Stadteinigung, die die Anlage betreibt. Auch ein Mitarbeiter der Wartungsfirma, die die Anlage alle drei Monate überprüft habe, sei vor Ort. Der Gutachter nehme Materialproben des Windrads, um die Unfallursache zu ermitteln. Mit Ergebnissen sei frühestens Mitte bis Ende kommender Woche zu rechnen. Bis die beiden anderen Windräder an der Unfallstelle wieder in Betrieb genommen werden könnten, werde es wohl Wochen dauern. Sie waren vorsorglich abgeschaltet worden.

Passant sah das Unglück mit eigenen Augen

Verletzt wurde niemand, als das Windrad umstürzte. Die aus drei Windrädern bestehende Anlage wurde anschließend vorsorglich vom Netz genommen. Ein Passant, der mit seinem Hund in der Nähe unterwegs war, habe das Unglück mit eigenen Augen gesehen und die Einsatzkräfte verständigt, sagte ein Feuerwehrsprecher NDR.de. Die Anlage steht auf dem Gelände einer ehemaligen Hausmülldeponie.

Bolzen könnten sich gelöst haben

Der saubere Abbruch erfolgte auf etwa 20 Metern Höhe - genau an der Nahtstelle zwischen unterem und mittlerem der drei Rohre, aus denen das 94 Meter hohe Windrad besteht. Eine mögliche Ursache könnten laut Stadtreinigungs-Sprecher Reinhard Fiedler die insgesamt 80 Bolzen sein, die die beiden Rohre eigentlich zusammenhalten sollen. "Sie könnten sich gelöst haben", sagte Fiedler zu NDR.de. "Dann kann sich der Flansch zwischen den Rohren selbst bei wenig Wind und Bewegung wie ein Reißverschluss öffnen."

Bei Kontrollen nichts aufgefallen

Alle drei Monate habe man die 2001 errichtete Anlage selbst überprüft, zusätzlich sei alle zwei Jahre ein externer Gutachter mit einer vollständigen Durchsicht beauftragt worden. Dabei sei "nie etwas aufgefallen", sagte Fiedler. Die beiden benachbarten Windräder der Stadtreinigung blieben vorsichtshalber außer Betrieb, bis die Ursache gefunden ist. Laut Website der Stadtreinigung lieferten die drei Windräder, die beiden Solaranlagen sowie ein Blockheizkraftwerk im Jahr 2012 zusammen rund 5,6 Millionen Kilowattstunden Strom.

Knick und ab: Das Ende eines Windrades

Ab Dienstagnacht gilt Sturmwarnung

Das Wetter allein kann das Unglück kaum ausgelöst haben: Zum Zeitpunkt des Umknickens habe die nächstgelegene Station des Deutschen Wetterdienstes (DWD) in Hamburg-Fuhlsbüttel schwachen bis mäßigen Wind mit der maximalen Stärke 4 gemessen, sagte ein DWD-Sprecher NDR.de. Teilweise habe es zwar Böen bis Stärke 6 gegeben, was einer maximalen Geschwindigkeit von 50 km/h entspricht. "Das muss eine solche Anlage aber definitiv aushalten. Wir haben keine ungewöhnlichen Windsignale gemessen, die ein solches Unglück erklären könnten." Ab Dienstagnacht rechnete der DWD für die Nordseeküste mit Sturmböen bis Stärke 11, die im Inland bis zu Stärke 9 erreichen könnten. Das entspricht Geschwindigkeiten von bis zu 88 km/h. "Auch bei solchem Wind knicken Windräder nicht einfach um", sagte der DWD-Sprecher.

20 Feuerwehrleute im Einsatz

Die Freiwillige Feuerwehr Neu Wulmstorf hatte ihrem Sprecher zufolge den Bereich am Morgen weiträumig gesichert und später an den Betreiber übergeben. Insgesamt seien 20 Personen an dem Einsatz beteiligt gewesen. Die Stadtreinigung hatte auf ihrem Twitteracount mit dem Kommentar "Das ist wohl ein Totalschaden" ein Foto der zerstörten Anlage verbreitet.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Niedersachsen | Aktuell | 03.01.2017 | 16:00 Uhr