Stand: 19.11.2012 10:43 Uhr  | Archiv

David McAllister - der Amtsinhaber

von Nils Hartung
David McAllister legte eine steile politische Karriere hin. Wie es weitergeht, zeigt sich nach der Landtagswahl.

David McAllister ist viel auf Achse. Besonders im Moment, denn es ist Wahlkampf in Niedersachsen. Da trifft es sich gut, dass der CDU-Ministerpräsident von Niedersachsen seine "Heimat im Herzen" trägt, wie er selbst sagt. Diese Heimat, das ist Bad Bederkesa (Landkreis Cuxhaven). Es ist leichter, McAllister zu verstehen, wenn man das weiß. Bad Bederkesa, 5.000 Einwohner, ist der Ruhepol des 41-Jährigen. Hier leben seine Frau und seine Kinder, hier war er Bürgermeister und Schützenkönig. In Personalunion. Bad Bederkesa, das steht bei McAllister aber auch für Bodenständigkeit und Bescheidenheit. Es ist so etwas wie ein Credo, ein Markenzeichen geworden. Dafür gibt es nicht nur Applaus: Der "Spiegel" etwa machte sich bereits über das (offenbar) fehlende Machtstreben McAllisters lustig.

Gebürtiger Berliner, halber Schotte

McAllister, gebürtiger Berliner, halber Schotte und eigentlich Jurist von Beruf, kokettiert nicht mit seiner Geburtsstadt und der "großen" Politik. Ganz im Gegenteil: Er ist selten in politischen TV-Talkshows zu Gast; präsentiert sich lieber als erdverwachsener Landesvater von Niedersachsen. Den "Anti-Seehofer" nennt ihn "Die Zeit". Bereits mit 17 Jahren tritt er in die CDU ein, mit 25 ist er Ratsmitglied in Bad Bederkesa. Danach geht es noch rasanter: Ab 1998 ist er Mitglied des Niedersächsischen Landtags, von 2002 an Generalsekretär und nur ein Jahr später Fraktionsvorsitzender der CDU. Nach dem Wechsel von Christian Wulff (CDU) nach Berlin ins Amt des Bundespräsidenten beerbt ihn McAllister als Regierungschef im Leineschloss.

Lehre beim Landrat

Sein Vorgänger war einer seiner beiden Förderer, unter ihm stieg McAllister vom einfachen Abgeordneten aus der Provinz immer weiter auf. Der andere heißt Martin Döscher und ist so etwas wie sein politischer Ziehvater. Bei Döscher, früher für die CDU Landrat des Kreises Cuxhaven, geht McAllister in die Lehre. Döscher zeigt ihm, worauf es ankommt in der Kommunalpolitik. Der junge David lernt schnell. Seine Ambitionen gehen aber ebenso schnell über die Kleinstadt hinaus: Er liest viel, vor allem Tageszeitungen. Das Interesse an Politik, die Leidenschaft, sie ist bis heute geblieben. "Zeitunglesen ist heute wie damals eine meiner größten Leidenschaften", sagt er.

Vom Lautsprecher zum Landesvater

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Der letzte Kronprinz? Bundeskanzlerin Merkel (l., CDU), so hört man, hält große Stücke auf McAllister (r.,CDU).

McAllister hat einen Prozess durchgemacht. Vom Image des CDU-Lautsprechers, der sich als Fraktionsvorsitzender hitzige Redeschlachten mit Sigmar Gabriel (SPD) lieferte und gegen die Opposition wetterte, versucht er, sich zu verabschieden. Dadurch verwässerte sein Profil etwas, es ist nicht immer klar, wofür McAllister steht. Trotzdem: Seine Art kommt oft an, vor allem auf dem Land. Der Wahlkampf lief bislang allerdings nicht so richtig rund für "Mac": Erst die Geschichte mit den vorgefertigten Interviews, dann das vieldiskutierte Wahlkampfvideo. Ob er sich in der Wahl gegen Stephan Weil als Ministerpräsident von Niedersachsen behaupten kann, steht am Abend des Wahlsonntags 20. Januar 2013 fest - die Tageszeitungen am nächsten Tag wird McAllister mit Sicherheit alle lesen.