Stand: 04.10.2017 21:19 Uhr

Debatte zur Bildung bei Hallo Niedersachsen

Am 15. Oktober wählt Niedersachsen einen neuen Landtag. Das Regionalmagazin Hallo Niedersachsen hat am Mittwoch Vertreter von SPD, CDU, Grünen, FDP, Die Linke und AfD eingeladen, in einer Sondersendung zum Thema Bildung Stellung zu beziehen.

Diskussionsrunde im Hallo Niedersachsen-Studio.

Landtagswahl: Bildung in Niedersachsen

Hallo Niedersachsen -

Schulpolitik und Kinderbetreuung sind die heißen Themen bei der Landtagswahl in Niedersachsen. Vertreter von SPD, CDU, Grünen, FDP, Die Linke und AfD diskutieren über Bildung.

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Mit dabei waren:

  • Kultusministerin Frauke Heiligenstadt (SPD)
  • Mareike Wulf (CDU)
  • Anja Piel (Grüne)
  • Björn Försterling (FDP)
  • Anja Stoeck (Linke)
  • Dana Guth (AfD)

Wie dem Unterrichtsausfall begegnen?

In einer Sache sind sich die Parteien einig: An Niedersachsens Schulen fällt zu viel Unterricht aus. Die rot-grüne Landesregierung arbeite an dem Problem, so Kultusministerin Frauke Heiligenstadt (SPD): Es seien bereits zahlreiche Lehrkräfte eingestellt worden, weitere 3.000 kämen 2018 noch hinzu. Die Landesregierung wolle auch das Einstellen von Quereinsteigern erleichtern, ergänzte Anja Piel, Spitzenkandidatin der Grünen. Die Schulsozialarbeit sei zudem eine große Entlastung für Lehrkräfte. Anja Stoeck, Spitzenkandidatin der Partei Die Linke, glaubt, dass der Lehrermangel ab Mitte 2018 ohnehin kein großes Problem mehr sein wird, da dann mehr Studierende ihren Abschluss machen würden als zuletzt.

Weitere Informationen

Unterrichtsversorgung liegt bei 98,9 Prozent

Schulausfälle und Lehrermangel: Laut Niedersachsens Kultusministerin Heiligenstadt liegt die Unterrichtsversorgung bei knapp unter 100 Prozent - für sie "ein richtig gutes Ergebnis". (28.02.2017) mehr

FDP: Stunden verlagern, Einstellung garantieren

CDU und FDP dauern die mittelfristigen Lösungen derweil zu lange. Den Umfang des Unterrichtsausfalls nannte Mareike Wulf, CDU-Schatten-Kultusministerin, "absolut inakzeptabel". Die CDU wolle Lehrkräfte von Verwaltungsaufgaben entlasten und pädagogische Mitarbeiter einstellen, um sofort den Unterricht zu garantieren und nicht erst in einigen Jahren. Der FDP-Bildungsexperte Björn Försterling plädierte dafür, vorerst Stunden von Lehrkräften aus dem Nachmittags-Betreuungsangebot in den Kernunterricht zu verlagern, da der Unterricht erst einmal wichtiger sei als AGs. Zudem müsse man mittelfristig Lehramtsstudenten eine Einstellungsgarantie geben. Notwendig sei auch eine Personalprognose für Lehrkräfte in Niedersachsen, um die Situation in kommenden Jahren verlässlich einschätzen zu können.

Inklusion: Stopp, Pause oder Fortführung?

Der Unterrichtsausfall sei momentan programmiert, so die Ansicht von AfD-Spitzenkandidatin Dana Guth. Die derzeitige Abdeckung von 98,9 Prozent sei nur gegeben, so lange kein Lehrer krank oder anderweitig verhindert sei. Lehrkräfte seien überfordert, was auch im Schulsystem begründet liege: Alle Kinder sollten gemeinsam unterrichtet werden, das berge zusätzliches Problempotenzial für Lehrer. Die AfD plädiere für "möglichst homogene Lerngruppen". Das klang nicht so, als wolle die AfD die Inklusion vorantreiben. Auch die CDU wünscht sich eine Pause bei der Inklusion, also dem gemeinsamen Lernen behinderter und nicht behinderter Kinder.

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Streit um Förderschule: Schutzraum oder Stigma?

08.09.2017 19:30 Uhr
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Werden alle Kinder mit einem Förderbedarf im Lernen künftig inklusiv in Regelschulen unterrichtet oder sollen Lern-Förderschulen erhalten bleiben? Die Parteien sind uneins. Video (03:42 min)

Probleme einerseits, Chancen andererseits

Die Inklusion sei ein zentrales gesellschaftliches Anliegen und einfach zu wichtig, um sie scheitern zu lassen, so Mareike Wulf (CDU). Deshalb müsse man sich die Zeit nehmen, die Probleme zu analysieren und Lösungen zu finden. Das hält Anja Piel (Grüne) für den falschen Weg: Die Inklusion sei zwar eine riesige Herausforderung, aber auch eine riesige Chance, die Kindern sehr viel bringe. "Mit mir wird es keine Pause bei der Inklusion geben", betonte auch Kultusministerin Heiligenstadt. Die SPD wolle "konsequent, aber sehr behutsam" den Weg fortsetzen. Björn Försterling war vor allem das Mitspracherecht der Eltern wichtig: Die FDP wolle Förderschulen nicht schließen, sondern Eltern entscheiden lassen, ob ihr Kind in einer Förder- oder einer Regelschule besser aufgehoben ist. Das Tempo der Inklusion, so Försterling, sollte nicht von der Politik, sondern von Eltern, Schülern und Lehrern bestimmt werden.

Auch den Kitas fehlen Fachkräfte

Das zweite Thema der Debatte war die Kita-Betreuung. Weitgehende Einigkeit herrscht unter den Parteien darin, dass mehr Erzieher gebraucht werden. CDU und SPD streben zudem eine Beitragsfreiheit an. Nach Ansicht von Anja Piel (Grüne) sollte der Wegfall der Kita-Gebühren allerdings nicht oberste Priorität haben: Wichtiger sei die Qualität der Betreuung. Mehr Fachkräfte seien dringend vonnöten, Investition in diesem Bereich wichtiger als die Beitragsfreiheit.

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Zu wenig Betreuer in Niedersachsens Krippen

Die Personalsituation in Niedersachsens Krippen ist nicht gut. Das besagt zumindest eine aktuelle Studie der Bertelsmann-Stiftung. Besser sieht es bei den Kindergärten im Land aus. (28.08.2017) mehr

SPD und FDP: Schulgeld für Erzieher darf nicht sein

Was dagegen kostenlos sein sollte, sei die Ausbildung der Erzieher, so Försterling (FDP). Vielmehr sollten die Auszubildenden bezahlt werden. Die kostenfreie Ausbildung wünscht sich auch Heiligenstadt (SPD). Unterschiedliche Ansichten gab es zum Ansatz der FDP, Kita-Betreuungszeiten extrem flexibel zu machen bis hin zur 24-Stunden-Betreuung. Das sei nicht der richtige Ansatz, so Anja Stoeck (Linke). Eltern sollten stattdessen mehr Zeit für ihre Kinder haben, indem Wochenarbeitsstunden reduziert werden und die Vereinbarkeit von Beruf und Familie sich dadurch verbessere.

AfD will Betreuungsgeld für Mütter

Etwas andere Ziele verfolgt die AfD: kostenlose Kitas ja, aber es sollte auch ein Betreuungsgeld für Mütter geben, die ihre kleinen Kinder zu Hause erziehen, sagte Dana Guth. Die Mutterrolle müsse aufgewertet werden. Auf Kritik der anderen Teilnehmer der Debatte, sie spreche nur von Müttern, erwiderte Guth, es seien selbstverständlich auch Väter gemeint. Eltern bräuchten die Wahlfreiheit, ob sie arbeiten oder zu Hause bleiben wollten. Vielleicht aber, entgegnete FDP-Mann Försterling, wollten Mütter ihre Kinder erziehen und arbeiten. Die von der AfD angedachte "Herdprämie" lehne er ab.

Sondersendungen vor der Wahl bei Hallo Niedersachsen

Die Sendung zum Thema Bildung war die dritte und letzte Sondersendung mit Vertretern der sechs Parteien, die eine realistische Chance haben, in den Landtag einzuziehen. Am 26. September diskutierten sie bereits über die Wirtschaftspolitik, am 29. September über das Thema Innere Sicherheit. Der CDU-Spitzenkandidat Bernd Althusmann war am 1. Oktober zu Gast im Studio von Hallo Niedersachsen. Am 8. Oktober kommt Ministerpräsident Stephan Weil von der SPD.

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Gut zwei Wochen vor der Landtagswahl haben Vertreter von CDU, SPD, Grünen, FDP, Linke und AfD bei Hallo Niedersachsen debattiert. Das Thema der Debatte: die Innere Sicherheit. (29.09.2017) mehr

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VW und Arbeit: TV-Debatte zur Landtagswahl

Vertreter von CDU, SPD, Grünen, FDP, Die Linke und AfD haben am Dienstag bei Hallo Niedersachsen über Wirtschaftspolitik gesprochen. Es ging um VW und um den Arbeitsmarkt. (26.09.2017) mehr

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Das sind die Wahlprogramme der Parteien

Am 15. Oktober wird in Niedersachsen ein neuer Landtag gewählt. Wenig Zeit also, sich die Inhalte der Parteien anzuschauen. NDR.de stellt die Wahlprogramme zum Download bereit. (23.09.2017) mehr

Dieses Thema im Programm:

Hallo Niedersachsen | 04.10.2017 | 19:30 Uhr

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