Stand: 21.04.2016 10:00 Uhr

Obama in Hannover: Wer zahlt das eigentlich alles?

von Nils Hartung

Zehn Buchstaben elektrisieren eine ganze Stadt. Obama kommt. Der US-Präsident Barack Obama wird am 24. April in Hannover erwartet, um die Hannover Messe zu eröffnen. Dazu ist einen Tag später ein Treffen mit Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) sowie den Staats- und Regierungschefs von Frankreich, Großbritannien und Italien im Schloss Herrenhausen geplant. Soweit der Ablaufplan dieses offiziellen Besuches. Obama wird mit einem riesigen Tross an Mitarbeitern und Sicherheitspersonal anreisen; in Hannover werden Tausende Polizisten im Einsatz sein. Seit Monaten laufen die Vorbereitungen in der Stadt, dazu kommen die Kosten für Hotels, Transport und mehr. Doch eine Frage ist bislang noch unbeantwortet: Was kostet das eigentlich alles?

Obama in Dresden - 30 bis 40 Millionen Euro

So richtig aus dem Knick kommen will niemand mit einer Antwort auf diese Frage. Also vorsichtiges Herantasten. Zum Vergleich: Im Jahr 2009 hat Obama der sächsischen Landeshauptstadt Dresden eine eintägige Stippvisite abgestattet. Die geschätzten Kosten beliefen sich damals nach Medienberichten auf etwa 30 bis 40 Millionen Euro. Das G8-Treffen in Heiligendamm im Jahr 2007 soll mit 100 Millionen Euro zu Buche geschlagen haben. Ganz so teuer wird der Besuch in Hannover wohl nicht, glaubt Annekatrin Gebauer vom Presse- und Informationsamt der Bundesregierung. Aber: "Konkrete Zahlen liegen uns frühestens in einem halben Jahr nach dem Besuch vor", sagte sie NDR.de.

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"Hauptlast trägt der Bund"

"Die Hauptlast der Kosten trägt der Bund, die größte Summe das Protokoll Ausland im Auswärtigen Amt", sagte Michael Jürdens, stellvertretender Sprecher der niedersächsischen Landesregierung. Darin enthalten seien unter anderem die Miete für das Schloss Herrenhausen sowie die Kosten für Transport und Verpflegung der Gäste. Noch einmal der Blick nach Sachsen: Dort blieben von den geschätzten 30 bis 40 Millionen Euro nach Informationen des MDR 13 Millionen am Freistaat hängen. Den Löwenanteil machte hier der Einsatz von etwa 6.000 Polizisten aus. Auch in Hannover soll eine vierstellige Anzahl Beamter vor Ort sein - wie viele genau, das will die Polizei mit dem Verweis auf Sicherheitsgründe nicht preisgeben.

Keine hohen Kosten für Hannover?

Bei der Stadt Hannover rechnet man nicht mit hohen Kosten, sagte Oberbürgermeister Stefan Schostok (SPD) Hallo Niedersachsen. Und überhaupt: Die positiven Effekte für die Stadt würden überwiegen. "Für die wirtschaftliche Zusammenarbeit ist der Besuch unglaublich bedeutsam", so Schostok. Er hofft auf eine Milliarde Menschen, die Obama im Netz oder am Bildschirm in Hannover sehen. Auch bei der Deutschen Messe AG ist man begeistert von der nie gekannten medialen Aufmerksamkeit. "Wir erhoffen uns, dass das ausstrahlt und wir langfristig davon profitieren", sagte Sprecher Onuora Ogbukagu. In der Vergangenheit sei es oft schwierig gewesen, US-Unternehmen von der Ausstellung zu überzeugen. Auch das, so die Hoffnung, soll sich durch Obama ändern.

Kritik vom Bund der Steuerzahler

Das klingt eigentlich alles sehr harmonisch. Doch am Ende des Tages müssen die Steuerzahler, also wir alle, für Besuche wie diesen aufkommen. Kein Wunder also, dass der Bund der Steuerzahler (BdSt) die Visite kritisch sieht: "Angesichts der enormen Kosten sollten Staatsbesuche auf ein Minimum beschränkt bleiben. Das freundschaftliche Verhältnis zwischen Deutschland und den USA muss nicht ständig durch offizielle Aufeinandertreffen der Staatslenker bekräftigt werden", sagte Gerhard Lippert vom BdSt Niedersachsen und Bremen. Für die Hannover Messe bedeute die Eröffnung durch Obama zwar zusätzliche Aufmerksamkeit. "Doch ob damit wirtschaftliche Kontakte gefördert und vertieft werden, ist fraglich", so Lippert weiter.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Niedersachsen | Aktuell | 21.04.2016 | 08:00 Uhr

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