Stand: 18.02.2016 19:23 Uhr

Nun doch - Minister Wenzel prüft Entnahme von Wolf

Zum ersten Mal, seit der Wolf wieder in Niedersachsen heimisch geworden ist, wird überlegt, eines der Raubtiere zu töten. Dabei gehe es um ein verhaltensauffälliges Tier aus dem Munsteraner Rudel, sagte der niedersächsische Umweltminister Stefan Wenzel (Grüne) im Umweltausschuss des Landtages am Donnerstag. "Ich lasse alles Notwendige für die Entnahme vorbereiten", so der Minister. Auch die Umsiedlung in ein Gehege komme in Betracht. Wölfe sind in Deutschland streng geschützt und dürfen nicht gejagt werden.

Vor Kaserne zum Schlafen gelegt

Der rechtliche Rahmen schreibe daher eine Prüfung milderer Maßnahmen vor, betonte Wenzel. Das Ministerium arbeite derzeit mit einem schwedischen Experten zusammen, der die übliche Fluchtdistanz wieder herstellen soll. In den vergangenen Monaten gab es wiederholt Begegnungen zwischen Wölfen des Munsteraner Rudels und Menschen. So soll der Wolf am Montag einer Spaziergängerin mit Kinderwagen und Hund in Breloh gefolgt sein, wie die "Böhme-Zeitung" und die "Cellesche Zeitung" berichtet hatten. In der vergangenen Woche nahmen Infrarot-Kameras nach einem Bericht der "Hannoverschen Allgemeine Zeitung" den Wolf an einem Zaun der Flüchtlingsunterkunft in Bad Fallingbostel auf. Das Tier habe sich dort zum Schlafen hingelegt, sagte der Kasernenkommandant der "HAZ".

Chronologie: Der Wolf in Niedersachsen (ab 2015)

Keine einfache Entscheidung

Von einem gesunden Wolf gehe für die Menschen keine Gefährdung aus, sagte Umweltminister Wenzel am Donnerstag. Letztlich seien aber die "besonderen Nahbegegnungen" Anlass, warum man aktiv werde. Händeklatschen und andere Maßnahmen würden bei dem Wolf aus Munster nicht funktionieren, so Wenzel weiter. "Wir gehen von einer sehr kurzfristigen Entscheidung aus", so Wenzel. Es sei keine einfache Entscheidung, sagte er. "Ich bin der Auffassung, dass wir es mit einem Tier zu tun haben, dass Teil des Ökosystems ist", erklärte der Minister. Er wünsche sich eine sachliche Debatte. "Die Sicherheit des Menschen steht immer an erster Stelle", betonte der Grünen-Politiker. Derzeit warte das Land noch auf die rechtliche Bewertung des Bundes.

Weitere Informationen

Wolfs-Sender senden nicht richtig

Wo sind die Wölfe? Die Sender der beiden Tiere aus dem Rudel in Munster funktionieren zurzeit nicht richtig. Mit den Daten sollte eigentlich über die Vergrämung entschieden werden. (02.02.2016) mehr

Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Niedersachsen | Aktuell | 18.02.2016 | 19:00 Uhr