Stand: 19.09.2017 15:28 Uhr

Weniger Antibiotika: Landesregierung zieht Bilanz

In Europa sterben jährlich 25.000 Menschen an multiresistenten Keimen, bei denen die Therapie mit herkömmlichen Antibiotika nicht mehr wirkt. Die Vereinten Nationen (UN) sehen in solchen Resistenzen die "größte und dringendste globale Gefahr". Die gefährlichen Keime entstehen in der Landwirtschaft genauso wie durch falschen Einsatz von Antibiotika beim Menschen. In Niedersachsen ist es laut Landesregierung gelungen, die Ausbreitung solcher Erreger zu begrenzen und "wirksame Maßnahmen zu deren Eindämmung zu ergreifen". Das sagte Gesundheitsministerin Cornelia Rundt (SPD) am Dienstag und wies nach der Verabschiedung des Abschlussberichts zu dem Thema im Kabinett auf weitere Erfolge der rot-grünen Antiobiotikastrategie hin. Experten aus dem Gesundheits-, Agrar-, Wissenschafts- und Umweltministerium waren daran beteiligt.

Eine Hand hält einen Vogelkopf, die Augen blau. © NDR

Landesregierung: Weniger multiresistente Keime

Niedersachsen 18.00 Uhr -

Niedersachsens Landesregierung hat eine positive Bilanz ihrer Antiobiotikastrategie gezogen. In Kliniken gebe es weniger multiresistente Keime und weniger Antibiotika in Mastbetrieben.

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Weniger multiresistente Keime in Kliniken

Noch im Jahr 2010 wurde der besonders für chronisch Kranke gefährliche Erreger MRSA in knapp einem Viertel der niedersächsischen Kliniken nachgewiesen, wie es weiter hieß. Im vergangenen Jahr ging sein Anteil auf 15,6 Prozent zurück. Auch im Bereich der Landwirtschaft kann das Gesundheitsministerium einen deutlichen Rückgang in der Antiobiotikaanwendung verzeichnen. Gerade dort steht der Einsatz des Medikaments in der Kritik, weil dadurch resistente Keime entstehen könnten, die sich wiederum auf den Menschen ausbreiten könnten.

Antibiotikaeinsatz in Mastbetrieben reduziert

Die Anwendung von Antibiotika bei Mastkälbern wurde nach Angaben des Gesundheitsministeriums um 50 Prozent reduziert, bei Mastferkeln um 56 Prozent, bei Mastschweinen um 59 Prozent und bei Mastputen um 50 Prozent. Dies sei ein großer Erfolg, sagte Landwirtschaftsminister Christian Meyer (Grüne). Größere Anstrengungen seien aber noch bei den Masthühnern notwendig, bei ihnen lag der Rückgang nur bei 28 Prozent. Bernd Althusmann, Chef der Niedersachsen-CDU und deren Spitzenkandidat für die Landtagswahl am 15. Oktober, sagte, die Fortschritte seien nicht Meyers Leistung, sondern die Verdienste seines CDU-Amtsvorgängers sowie von Bundeslandwirtschaftsminister Christian Schmidt (CSU).

Stichwort multiresistente Keime

Seit der Entdeckung des Penicillins 1928 sind Antibiotika zu einem der wichtigsten Instrumente in der Behandlung von Infektionskrankheiten geworden. Inzwischen jedoch sind diese potenten Medikamente durch die Zunahme von Antibiotikaresistenzen nicht mehr verlässlich effektiv. Es gibt zahlreiche Hinweise, dass auch in Deutschland die Problematik der Antibiotikaresistenz zunimmt. Während in den letzten Jahren vor allem Infektionserreger wie Methicillin-resistente Staphylococcus aureus (MRSA) und Glykopeptid-resistente Enterokokken (VRE) im Vordergrund des Interesses standen, rückt jetzt auch das zunehmende Auftreten von Infektionserregern, die neben anderen Antibiotikagruppen auch gegen alle ß-Laktamantibiotika resistent sind, in den Fokus. Die Antibiotikaresistenzentwicklung hat zwei entscheidende Grundlagen: das Vorhandensein von resistenten Erregern und von übertragbaren Resistenzgenen und den durch den Antibiotikaeinsatz zugunsten dieser Keime ausgeübten Selektionsdruck.
Quelle: Robert-Koch-Institut

Kommentar
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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Niedersachsen | Aktuell | 19.09.2017 | 16:00 Uhr