Stand: 17.03.2016 15:25 Uhr

Erste Hilfe aus erster Hand

von Thomas Hans

Freundlich-runder T1 oder doch lieber kantig-schnittiger T6? Eins steht fest: Der Bulli von Volkswagen ist Kult. Volkswagen Nutzfahrzeuge (VWN) hat das längst erkannt und betreibt deshalb mit einem besonderen Projekt Imagepflege. Im hannoverschen Stadtteil Limmer gibt es eine betriebseigene Restaurierungs-Werkstatt für Bullis. Das Projekt trägt den Titel "Volkswagen Nutzfahrzeuge Oldtimer". In der Werkstatt werden die teils 50 Jahre alten Transporter technisch und optisch herausgeputzt. Nebenbei ist so auch eine stattliche, aber nicht öffentliche Sammlung von Fahrzeugen aus allen Bulli-Epochen entstanden. Einige Exponate sind aktuell lediglich im Rahmen einer Bulli-Ausstellung im Historischen Museum Hannover zu sehen. Die anderen Fahrzeuge werden nur bei firmeninternen Führungen gezeigt, zum Teil können sie auch gemietet werden.

Ein Paradies für Bulli-Fans

Der Bulli als "Allrounder"

Gerolf Thienel ist beim Oldtimer-Projekt von VWN als Automobilhistoriker dabei. Er ist vom Bulli fasziniert. "Man kann mit ihm einfach fast alles machen", sagt Thienel. "Egal ob Sie in den Urlaub oder zur Arbeit fahren oder den Bulli in ihrem Unternehmen als Transporter benutzen", ergänzt der 42-Jährige. Welcher Bulli der tollste ist - da will sich Thienel lieber nicht festlegen. Jede Modellvariante habe ihre Vorteile. So glänzten die älteren Fahrzeuge wie etwa der T1 mit einer schönen Optik, die neueren dagegen mit besserer Technik. "Müsste ich mich festlegen", sagt Thienel, "würde ich einen T2-Camper mit Aufstelldach zum Schlafen als meinen Favoriten bezeichnen." Der T2-Campingbus sei einfach ein tolles Konzept.

Ein Auto mit vielen Fans

Die Idee zu der betriebseigenen Bulli-Werkstatt kam ihm bei einem großen Bulli-Treffen vor knapp zehn Jahren in Hannover. Die Veranstaltung im Herbst 2007 sei sehr erfolgreich gewesen, erzählt Thienel. Damals seien 5.000 Fahrzeuge zu sehen gewesen. Das Treffen lockte rund 70.000 Besucher an. "Da haben wir einfach gemerkt: Der Bulli besitzt ein bestimmtes Erbe, ein Vermächtnis", erklärt Thienel. Das müsse Volkswagen einfach für Marketing- und Vertriebszwecke nutzen.

Viel los in der Werkstatt

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01:18 min

In der Bulli-Werkstatt werden rostige T1 wieder bunt

In einer betriebseigenen Werkstatt in Hannover-Limmer restauriert VW alte Bullis wie T 1 und T2. Besonders heikel ist die Arbeit an der Karosserie, sagt Technikhistoriker Gerolf Thienel. Video (01:18 min)

Bei der Werkstatt kann man sich inzwischen über mangelnde Arbeit nicht beklagen. In dem Projekt sind nach VW-Angaben rund 20 Mitarbeiter beschäftigt. Die eine Hälfte der Aufträge komme von Privat, sagt Thienel. Das seien Bulli-Liebhaber, die ihre alten Fahrzeuge wieder aufhübschen wollen. Sie zahlen dafür schon mal niedrige sechsstellige Beträge. So sei ein Kunde mal nur mit drei Teilen in die Werkstatt gekommen: der Karosserie eines 1967er T1-Samba, einer Vorderachse und einem Typenschild. In dreijähriger Arbeit sei dann für den Kunden ein komplett neues Auto entstanden, sagt Thienel. Die Ersatzteilversorgung bei den Bullis sei generell ok, aber eben nicht perfekt. Schließlich gehe es um Autos, die zum Teil seit fünf Jahrzehnten nicht mehr gebaut werden. Neben den Privatkunden treten auch Unternehmen an die Oldtimer-Werkstatt heran. Die Firmen wollten dann mit einem restaurierten Bulli zum Beispiel auf ihre Firmengeschichte aufmerksam machen.

Arbeit hört nie auf

Aber auch in der Sammlung hört die Arbeit nicht auf. 90 Fahrzeuge zählt sie inzwischen, aus allen Modellreihen. Man kaufe aber weiter Oldtimer an, um Lücken zu schließen, sagt Thienel. Konkret gehe es dabei aber gerade nicht um den Bulli, sondern ein anderes VW-Nutzfahrzeug: den LT. Hier fehle noch ein Transporter aus der ersten Baureihe. Die seien aber, sagt Thienel, aufgrund ihrer alltäglichen anspruchsvollen Nutzung zum Beispiel auf dem Bau nur noch sehr schwer zu finden.

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