Stand: 25.04.2014 07:10 Uhr

Upcycling: Neue Schätze aus Altkleidern

von Constantin Alexander

Kinderarbeit, Umweltverschmutzung - und Kleider, die nach einmaligem Tragen weggeschmissen werden: Die Modebranche hat großen Nachholbedarf, was Nachhaltigkeit angeht. Um das zu ändern, besinnen sich immer mehr Designer auf Tugenden wie zu Großmutters Zeiten: Anstatt neue Kleidung herzustellen oder zu kaufen, werden Altkleider repariert oder umgestaltet. Beim sogenannten Upcycling kann so aus einem alten Herrenoberhemd ein hochwertiges Abendkleid werden. In Hannover arbeiten bereits einige Modedesigner an dieser kleinen Revolution der Modebranche. "Weil wir die Arbeitsbedingungen in den Fabriken und die Umweltverschmutzung so unmenschlich finden, wollten wir nur noch nachhaltige Mode machen", beschreibt Designerin Beatrix Landsbek ihre Motivation, Kleidung nur noch durch Upcycling herzustellen.

Upcycling: Nur Trend oder Zukunft der Mode?

"Altkleider sind Schätze"

Der Begriff verbindet Recycling mit Upgrading, also dem Aufwerten der verwendeten Materialien, die andere oft nur als Müll sehen. In manchen Bereichen wie dem Möbelbau ist die Methode inzwischen sehr beliebt, in der Modebranche ist Upcycling jedoch noch neu. Landsbek hat 2010 gemeinsam mit ihrer Freundin Lisa Adler angefangen, im professionellen Stil alte Kleidung neu zu gestalten. Inzwischen betreiben beide das Label Super Fashion Rainbow Camp. "Die Altkleider bekommen wir von Textilrecyclern, aber auch von Spendern", so Adler. "Es fühlt sich wie eine Jagd an, nach toller alter Kleidung zu suchen." Wichtig ist ihnen dabei, dass die alten Hemden, Hosen oder Pullover aus einem guten Material bestehen. So haben beide schon Kleidung aus hochwertiger Seide, aus Kaschmir und guter Jeans gefunden. "Viele Menschen schmeißen ihre Kleidung schon weg, wenn da nur ein kleines Loch drin ist. Für uns ist das ein Schatz."

Bundesregierung plant nachhaltiges Textilsiegel

Auch wenn die Modemacherinnen noch nicht allein von ihrem Label leben können und nebenbei andere Jobs haben, sind sie entschlossen, Mode nur noch mit Upcycling herzustellen. Mit ihrer Einstellung sind Landsbek und Adler dabei nicht allein. "Nachhaltigkeit spielt mehr und mehr eine besondere Rolle in der Modebranche", so Catharina Rüß, Dozentin für Modetheorie an der privaten Modehochschule Fahmoda in Hannover. Mitte März präsentierten Studenten der Fahmoda bereits einige Kollektionen, bei denen die Materialien recycelt wurden. Und auch in der Bundespolitik ist das Thema inzwischen angekommen: "Bundesentwicklungsminister Gerd Müller (CDU) hat vor Kurzem erst die Einführung eines Textilsiegels für Nachhaltigkeit angekündigt", so Rüß. Natürlich sei es für große Unternehmen nicht einfach, die Produktion schnell auf 100 Prozent Nachhaltigkeit umzustellen, doch: "Die Bewegung wird breiter, und auch der Wille, etwas zu verändern, wächst bei vielen Verantwortlichen."

"Gute Mode kann nicht billig sein"

Modedesign-Professorin Martina Glomb, die an der Hochschule Hannover auch Landsbek und Adler unterrichtet hat, sieht den Trend zu nachhaltiger und grüner Mode als Chance für die ganze Branche: "Wir befinden uns zurzeit in einer Phase, in der sich innerhalb der Modebranche sehr viel verändert", so Glomb. An der Hochschule werde bereits seit einiger Zeit daran geforscht, wie Abfälle in der Modeproduktion vermieden werden oder diese durch Upcycling genutzt werden können. "Ein Ziel ist dabei, aus den Verbrauchern Wertschätzer zu machen", so Glomb. "Dazu gehört auch, dass Konsumenten ein Kleidungsstück mehr pflegen und auch reparieren und so vielleicht viele Jahre tragen." In Hannover, aber auch in ganz Norddeutschland, habe sich in dem Bereich in den vergangenen Jahren viel getan. Doch häufig schrecke viele Konsumenten der Preis ab. Martina Glomb sieht da einen ähnlichen Trend wie beim Bio-Boom bei Lebensmitteln. "Gute Mode kann nicht billig sein. Das ist so wie beim Essen: Man kriegt das, was man dafür zahlt."