Stand: 03.03.2016 07:07 Uhr

Unverpackt und lose: Einkaufen ohne Plastik

von Martina Witt

Maya Birken stellt ihre kleine gepunktete Teedose auf die Waage und notiert das Gewicht. Der Ostfriesentee ist leer; sie braucht Nachschub. Aber eben nur für die kleine Dose. Aus einem Glasbehälter schaufelt sie den Tee vorsichtig um. An der Kasse wird das Gewicht der mitbrachten Dose abgezogen - fertig.

Reis, Nudeln und Gummibärchen zum Selbstabfüllen

"Zu viel Plastik in den Ozeanen"

Sandra Michel bietet in ihrem kleinen Laden in der hannoverschen Nordstadt Lebensmittel ohne Plastikverpackungen an: Die Kunden können Reis, Haferflocken, Gummibärchen oder auch Sonnenblumenkerne, Gewürze selbst abfüllen - entweder in mitgebrachte Dosen und Flaschen oder in Stoffsäckchen aus dem Laden. Milch gibt es in Glasflaschen, Bioobst und Biogemüse liegt lose in Körben, Lasagneplatten können einzeln abgezählt und Öl selbst gezapft werden. Michel will mit ihrem Angebot aufrütteln und ein Bewusstsein für das Plastik-Problem schaffen. "Es ist viel zu viel Plastikmüll in den Ozeanen. Ich habe Kinder. Ich möchte, dass die auch noch etwas von der Welt haben." Ihr sei Plastikmüll beim Einkaufen schon lange ein Dorn im Auge gewesen. "Nach jedem Familieneinkauf war ein Müllsack voll. Da bin ich wirklich wütend geworden."

Kunden können Wunschzettel schreiben

Doch Sandra Michel bietet nicht nur Lebensmittel an. Auf einem Tisch liegt Seife zum Haarewaschen, Lippenbalsam kann in Döschen gefüllt werden, es gibt Zahnbürsten aus Bambus. Das Non-Food-Sortiment werde weiter ausgebaut, sagt Michel. Bisher sei es recht klein, damit noch auf die Wünsche der Kunden eingegangen werden könne. Wem etwas fehlt, egal ob Lebens- oder Putzmittel, der kann es auf eine Liste schreiben. Und das Interesse ist groß: Spül- und Putzmittel, Pinienkerne und Dinkelnudeln werden gewünscht.

Nur die Mengen, die auch gebraucht werden

Maya Birken hat schon lange auf einen solchen Laden gewartet. "Wenn man sich überlegt, dass eine Plastiktüte 200 Jahre zum Verrotten braucht, dann brauche ich glaube ich nichts weiter zu erklären." Die 75-jährige Helgard Bröger und ihre Freundin Monika Pfennig sind zufällig an dem Geschäft vorbeigekommen und schauen sich begeistert um. "Man muss sich etwas dran gewöhnen, aber es ist einfach toll", sagt Bröger. Auch weil man einfach so viel einkaufen kann, wie man wirklich braucht. Die beiden füllen gleich ein bisschen Tee ab.

Zweiter Laden in Hannover

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Michael Albert hat die Spender für sein Geschäft selbst entwickelt - aus Holz, Edelstahl und Glas.

Geschäfte, die unverpackte Produkte anbieten, gibt es bereits unter anderem in Kiel, Berlin und Leipzig. In Niedersachsen ist Sandra Michel zurzeit Vorreiterin. Doch der Trend greift auch hier um sich. Am 19. März eröffnet in der hannoverschen Südstadt schon ein zweiter Laden. Und Inhaber Michael Albert geht sogar noch ein Stück weiter als seine Kollegin in der Nordstadt. Während die meisten Spender auf dem Markt zwar Plastik beim Portionieren und Abfüllen vermeiden, aber selbst aus Kunststoff sind, hat Michael Albert eigene Behälter entwickelt - aus Holz, Edelstahl und Glas. "Wenn man sich mal vorstellt, ein Leben ohne Plastik führen zu wollen, dann kommt man schnell zu der Erkenntnis, das geht gar nicht. Und da möchte ich einen Weg zeigen, dass es doch geht."

Keine Konkurrenz

Albert will ab Mitte März alles für den täglichen Bedarf anbieten: Lebens-, Putz- und Waschmittel, aber auch Körperpflegeprodukte. Alles unverpackt. Auch für Milch hat er eine verpackungsfreie Lösung gefunden: Er habe lange recherchiert und schließlich eine Anlage bauen lassen, mit der die Kunden so viel Milch abzapfen können, wie sie brauchen. Jeden Abend werde die "eiserne Kuh" dann gereinigt. Als Konkurrenz empfinden sich die beiden Läden nicht. Ganz im Gegenteil - Hannover könne noch mehr Geschäfte vertragen, sagt Albert. Und wahrscheinlich wird Hannover auch nicht die einzige niedersächsische Stadt bleiben. Er habe auch schon von Plänen aus Osnabrück und Braunschweig gehört, sagt er lächelnd.

Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Niedersachsen | Regional Hannover | 03.03.2016 | 17:00 Uhr