Stand: 21.02.2016 13:38 Uhr

Treppenhaus-Marathon endet mit neuem Weltrekord

Steil hinauf in einer neuen Bestzeit: Johannes Schmitz hat den zweiten Treppenhaus-Marathon in Hannover gewonnen. Der 26-jährige Extrem- und Kampfsportler kann sich Samstagabend Weltmeister im Treppenhauslauf nennen. 194 Mal ist er die 13 Etagen im Gebäude des Anna-Stift-Berufsbildungswerks an der Wülfeler Straße treppauf und treppab gelaufen - in zehn Stunden, 14 Minuten und 41 Sekunden. Der alte Rekord lag deutlich drüber. "Er ist schon früh in Führung gegangen", erklärte Sprecherin Michaela Serttas. 13 Männer und eine Frau waren am Morgen bei dem extremen Wettlauf gestartet, bei dem sie die Marathon-Distanz von 42,195 Kilometern in der Vertikalen zu bewältigen hatten. Doch nicht alle hielten auch durch. "Wer ausgestiegen ist, der tat das immer mit Blick auf die eigene Gesundheit", sagte Horst Liebetruth, der den Treppenhaus-Marathon organisiert hat, nach dem Zieleinlauf von Schmitz.

Unter zehn Stunden schafft es wohl keiner

Die Teilnehmer waren überwiegend trainierte Extremsportler - und das war auch gut so. Denn ihre Aufgabe war nichts für Hobby-Läufer: Die Teilnehmer mussten die klassische Marathon-Distanz bewältigen. Nur eben vertikal. Das bedeutete: Knapp 84.000 Stufen lagen vor den Kontrahenten. "Die sind sehr flott unterwegs", sagte Serttas im Vorfeld. Dennoch war es schon im Vorhinein klar, dass es wohl mindestens zehn Stunden dauern werde bis der erste im Ziel ist. Zeit für längere Pausen blieb da nicht. "Sie können ein paar Stunden ohne Essen durchlaufen", so Serttas. Sobald der Energiespeicher leer war, konnten die Treppenhaus-Marathonläufer sich Trockenobst, Kekse, Waffeln oder Power-Riegel von einem Vorratstisch greifen.

Teilnehmer müssen 194 Mal 13 Etagen nehmen

Damit auch alles mit rechten Dingen zuging, wurde die Strecke durch das Treppenhaus vorher mit einem geeichten Maßband vermessen. "Die Teilnehmer müssen genau 194 Mal 13 Etagen hoch und wieder runter", sagte Organistator Liebetruth. Das entspreche inklusive der Wenden auf den Treppenabsätzen ganz genau der offiziellen Marathon-Distanz von 42.195 Metern. Aber: Der Treppenhaus-Marathon sei anstrengender als ein normaler Marathon, so Liebetruth. Man brauche mehr Kraft, die Muskeln seien am Ende noch ein bisschen müder. Viermal so belastend wie ein normaler Marathon sollte der Lauf sein.

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"Gute Vorbereitung ist das A und O"

Beim Treppenhaus-Marathon dürfen nur ausgewählte Sportler mitmachen. Das Risiko gesundheitlicher Schäden sei einfach zu groß, sagt Organisator Horst Liebetruth. Video (00:42 min)

Die Treppe als Sportgerät

Bereits 2015 hatten sich immerhin neun Läufer in Hannover erstmals in dieser Disziplin gemessen. Der 51-jährige Liebetruth, der aus Uetze (Region Hannover) kommt, bezeichnet sich selbst als Business- und Sportberater. Er arbeitet als Personaltrainer. Liebetruth will mehr Menschen für das Treppensteigen als Sportart begeistern. Es gehe um mehr Aufmerksamkeit, das sei die Idee hinter der Weltmeisterschaft. In Übersee zum Beispiel habe sich die Treppe als Sportgerät schon lange etabliert, in Deutschland werde man noch immer seltsam beäugt, wenn man diesem Sport nachgeht, so Liebetruth.

"Treppensteigen ist gesund"

Wenn Liebetruth in seiner Freizeit Treppen steige, würden ihm drei Mal 20 Minuten pro Woche ausreichen. Das ersetze ihm vollständig den Gang ins Fitness-Studio und sei darüber hinaus ein gutes Bauch-Beine-Po-Training. Im Vorfeld der Weltmeisterschaft trainierte Liebetruth mehrmals die Woche täglich bis zu vier Stunden das Treppenlaufen. Bei der ersten Auflage vor knapp einem Jahr hat Liebetruth beim Marathon bis zum Ende durchgehalten. Er landete auf dem dritten Platz, am Samstag musst er passen. Liebetruth ist rückengeschädigt und Schmerzpatient. Er hatte einen Bandscheibenvorfall, der operiert werden musste. Seitdem er regelmäßig Treppen hoch und runter läuft, seien die Schmerzen aber weg, berichtet er. Allerdings spiele dabei auch die richtige Technik eine wichtige Rolle. Gerade beim Runterlaufen könne man viel falsch machen und dann der Gesundheit auch ernsthaften Schaden zufügen.

Viel Neues bei der Neuauflage

Nach der ersten WM im Treppenhaus-Marathon im vergangenen Jahr hatte Liebetruth die Zielzeit für die Neuauflage heruntergesetzt. Sie betrug bei der zweiten Auflage 15 Stunden. Innerhalb dieser Zeit mussten die Teilnehmer die Distanz gemeistert haben. Beim ersten Mal war noch alles experimentell, erklärt Liebetruth vor dem Startschuss. Jetzt wisse man aber, dass es tatsächlich geht. Der Sieger vom letzten Jahr brauchte nicht einmal zwölf Stunden. Jan Bergmann aus Hagenburg (Landkreis Schaumburg) war nach elf Stunden, 38 Minuten und genau 48 Sekunden am Ziel angekommen. Liebetruth brauchte fast eine Stunde länger. Einige Teilnehmer mussten auch vorzeitig abbrechen.

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Extremsportler messen sich im Treppenhaus-Marathon

Treppauf, treppab - und das 194 Mal: Johannes Schmitz hat beim Treppenhaus-Marathon in Hannover einen neuen Weltrekord aufgestellt. Mit ihm stiegen 12 weitere Teilnehmer um die Wette. Bildergalerie

Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Niedersachsen | Regional Hannover | 20.02.2016 | 08:00 Uhr